September 12

Mora-mora – alles schön mit der Ruhe

veröffentlicht am 24.September 2012

Nun sind wir schon fast zwei Wochen auf der „grossen Insel“ und obwohl immer noch viele neue Eindrücke auf Verarbeitung warten, fühlen wir uns schon recht wohl und finden uns – immerhin, was die überlebenswichtigen Dinge betrifft – gut zurecht. Es gibt einiges – mehr oder weniger Gewöhnungsbedürftiges –, das anders ist als zu Hause. Hier eine kleine Übersicht:

 

-          Zeit spielt nur eine nebensächliche Rolle. Die Madagassen verwenden für diesen Lebensstil den Ausdruck „mora-mora“ (langsam-langsam). Man gewöhnt es sich wirklich ab, auf die Uhr zu schauen und wir sind auch am Lernen, durch das Dorf zu schlendern und nicht zu marschieren (denn unser Tempo wurde von Tiana eindeutig als „trop vite“ eingestuft, dafür hatten sie am Anfang noch Angst, dass wir nach einer halben Stunde schon völlig erschöpft sind).

 

-          Das Kochen auf dem Gasherd klappt bisher gut und unser Kleidervorrat ist noch nicht ganz aufgebracht, so dass wir bisher noch nicht von Hand waschen mussten. Gestern erfuhren wir, dass irgendwo sogar eine Waschmaschine steht, die jedoch nicht mehr funktioniert. Nun wird sich zeigen, ob unsere Kleider zuerst ausgehen oder es Marco zuerst schafft, die Maschine zu reparieren…

 

-          So schnellschnell Duschen geht hier nicht, bzw. nur, wenn man Marco heisst und sich mit einem eiskalten Rinnsal abduschen möchte (O-Ton Marco: „Das härtet ab.“). Ich wähle da die angenehmere, wenn auch aufwändigere Variante und erhitze Wasser. Doch 1 Eimer (ausser Marco bringt mir noch mehr warmes Wasser ;-)) muss reichen. Naja, dafür reduziert man das Duschen auf alle zwei Tage, was hier (rein aufgrund von dem, was man so riecht und sieht, wenn man durchs Dorf läuft), sicher immer noch gut über dem Durchschnitt liegt…

 

-          Es gibt mehrere Komponenten, die einen tiefen, gesunden Schlaf massgeblich behindern: a) die Strassenhunde tragen nachts draussen ihre Kämpfe aus, was sich jeweils wie das Heulen eines Wolfsrudels anhört, b) Irgendwelche Viecher (ich muss angeekelt annehmen, dass es Flöhe oder Bettwanzen sind), veranstalten nachts ein Festmahl auf meinem Körper (Marco verschonen sie), c) Die Schaumstoffmatratze ist so dünn und die Holzbretter so hart, dass man sich im Schlaf automatisch etwa alle 5-10 Minuten drehen muss, d) es ist kalt! Tatsächlich frieren wir in unserem Zimmer oft, auch wenn man draussen an der Sonne zu schwitzen beginnt. Dem konnten wir mit dem Nähen von Leintüchern, dem Kauf einer kuschligen Wolldecke und viel Teetrinken aber etwas abhelfen.

 

-          Bewegt man sich in Tanas Stadtzentrum, so sind ein gutes Gleichgewicht (das fehlt Marco noch beim Bussaussteigen durch die Hecktüre…), Orientierungssinn (darüber verfügt nur Marco), schnelles Reaktionsvermögen und eine ausdauernde Konzentration unabdingbar, wenn man das Risiko minimieren möchte, nicht beklaut, herumgeschubst, überfahren oder überrannt zu werden. Ausserdem kann es vorkommen, dass einem mitten in der Stadt plötzlich Ratten über die Füsse rennen. Da machte sogar Marco einen „Gump“. (Solange sie nicht bei uns im Zimmer auftauchen…).

 

-          Versuchen, nicht aufzufallen, ist hier unmöglich, auch wenn man keinen Selbstdarstellungsdrang hat; unsere Hautfarbe wird uns hier immer als „vazaha“ kennzeichnen. Ob man sich daran gewöhnen kann, eine wandelnde Attraktion zu sein, ist uns noch fraglich und wir hoffen, dass sich das wenigstens an der Schule und im Dorf mit der Zeit etwas normalisieren wird. Wenigstens erntet man meistens ebenfalls ein Lächeln, wenn man eins verschenkt.

 

-          Der Abfall muss nicht sortiert werden, sondern kann vollumfänglich in das Abfallloch hinter dem Haus geworfen werden, wo es später verbrannt wird, wenn es in der Zwischenzeit nicht schon wieder von den Hunden in der ganzen Umgebung verteilt worden ist. (Warum man auf dieses Loch nicht eine Platte legen kann, ist uns noch schleierhaft…)

 

-          Obwohl Marco und ich auch in der Schweiz zu den regelmässigen Spaziergängern bzw. –läufern gehören, nimmt das hier nochmals ganz andere Dimensionen an. Da man nur schon für den Gemüseeinkauf insgesamt eine Stunde marschiert, kommt man schnell auf mehrere Kilometer, wenn man anschliessend noch weiter in die Stadt fährt, um dort Einkäufe zu erledigen oder etwas anzusehen.

 

-          Da 1 Schweizer Franken etwa 2250 Ariary entsprechen, muss man sich ständig überlegen, wo man all diese Hunderter-, Tausender- und Zehntausendernoten verstaut. Würde man sie nämlich alle zusammen in den einen Hosensack stecken, würde das etwas zu sehr auffallen. So hat Marco mittlerweile etwa 5 Standardverstecke. Ausserdem sind fast alle Noten am Auseinanderfallen, bräunlich, zerknäuelt und leicht feucht.

 

-          Während viele Dinge im Supermarkt teurer sind als bei uns (es handelt sich bei fast allem um Importware, aber nicht nur aus Südafrika, sondern wir kauften auch schon aus Versehen Milch aus Deutschland, Teigwaren aus der Türkei und Konfitüre aus Ägypten), findet man Vieles auf dem Markt (spott-)billig. So wissen wir nun, wo wir selber Gemüse und Früchte zum üblichen Preis erhalten, da uns Tiana eine vertrauenswürdige Verkäuferin gezeigt hat. Diese Woche kauften wir 1 kg Tomaten, 1 kg Karotten, 1 kg Zucchetti, ½ kg Zwiebeln, 1 kg Bananen und 1 kg Karotten für 4500 Ariary (ca. 2 Franken).

 

-          Auch auswärts essen kann man äusserst günstig, doch müssen wir mit unseren europäischen Mägen wohl noch etwas Vorsicht walten lassen bei der Auswahl der „Hotely“ (das sind nicht Hotels, sondern eben die typischen madagassischen Restaurants). Diese Woche versuchten wir unser Glück mit einem 3-Franken-Essen; das Zebu-Fleisch (den Beilagensalat liess ich schweren Herzens links liegen) schmeckte gut und unsere Mägen beschwerten sich nicht. Auch mit den madagassischen Pizzas und Hamburger sind wir bisher gut gefahren.

 

-          Wie bereits im letzten Blog beschrieben ist die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel hier ein wahres Abenteuer. Diese Woche haben wir gelernt, wie wir uns selbst mit den Bussen fortbewegen können (zumindest auf den etwa 3 Strecken, die wir brauchen). Doch kaum waren wir in den ersten, selbst angehaltenen Bus eingestiegen, „verreckte“ dieser. Als wir uns nach 10 Minuten Warten gerade überlegten, ob wir wieder aussteigen sollen (bezahlt haben wir noch nicht, das macht man erst irgendwann während der Fahrt, wobei das Geld immer durch alle Reihen nach hinten gereicht wird), kommt jemand mit einem Kanister Benzin angerannt und wir sind beruhigt, dass es „nur“ daran lag. Verwunderlich war aber auch das nicht, denn wir haben schon mehrmals bemerkt, dass an der Tankstelle (bei der während unserer Fahrt in die Stadt oft angehalten wird), immer nur etwa 2 Liter auf einmal getankt werden. Beachtet man zudem, dass die Treibstoffanzeige (sowie auch die Geschwindigkeitsanzeige) eigentlich nie funktionieren, braucht man sich nicht zu wundern, wenn man plötzlich „auf dem Trockenen“ sitzt.

 

-          Man schafft es nur selten, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort anzukommen, denn es gibt jenste Variablen, die z.B. die Reisedauer in die Stadt beeinflussen. Die ca. 30 Minuten zu Fuss von der Schule bis zur Bus-„Haltestelle“ können wir meistens noch in relativ zügigem Tempo zurücklegen, doch: Wie lange dauert es nun bis ein Bus kommt, der in die richtige Richtung fährt und wenn er kommt – oder falls sogar schon einer dasteht – wie lange dauert es, bis er voll ist (und voll meint hier, bis jeder irgendeine eingequetschte Gliedmasse hat)? Wenn er dann voll ist, fährt er endlich los, doch: Wie viel Verkehr hat es (in der Stadt ist der Verkehr immer stockend und die Fahrer stellen alle paar Meter den Motor ab; nur beim Tanken nicht!) und an wie vielen „Haltestellen“ hält der Bus an? Da wir jeweils sehr aufmerksam beobachtet werden, schafften wir es bisher wenigstens immer, dort auszusteigen, wo wir wollten, auch wenn der „Geldeintreiber“ (der jeweils eine bestimmte Melodie pfeift, wenn jemand aussteigen möchte, so dass der Chauffeur weiss, dass er anhalten muss) kein Französisch konnte.

 

Mittlerweile wissen wir etwas (wenn auch nicht viel) über die nächsten Ereignisse und Aufgaben hier. Einige der Waisenkinder sind heute in die Schule zurückgekehrt (ihr Schlafsaal ist gleich über uns). Diese Kinder werden nun eine Woche lang mit ihren Musikinstrumenten proben und ein Theater einüben für ein Fest, das am 3. Oktober stattfindet, an dem – soweit wir das richtig verstanden haben – die Gönner dieser Schule teilnehmen werden. Der Unterricht wird dann am 8. Oktober beginnen.

 

Marco wird sich nächstens vor allem um die Sanitär- und Elektroinstallationen kümmern, die repariert und verbessert werden müssen. Damit hat er auch bereits begonnen, war jedoch bald wieder blockiert, weil Material fehlt und zuerst abgeklärt werden muss, was am dringendsten gemacht werden muss bzw. aufgrund des Geldes gemacht werden kann. Ich habe den Auftrag erhalten, Französischunterricht für Anfänger und Fortgeschrittene, einen „Club de Français“ für alle Kinder aus dem Dorf (Mittwochnachmittag) und Spanischunterricht vorzubereiten. Es existiert noch praktisch kein Lehrmaterial für Französisch, da die Schule nach einem amerikanischen Homeschooling-Konzept unterrichtet (dasselbe wie auch Marco in Südafrika  teilweise gemacht hat). Deshalb musste alles Schulmaterial ins Französische übersetzt werden, was für den Französischunterricht noch nicht vollendet ist und evtl. auch keinen Sinn macht. Ich habe nun mal Material gesammelt, werde aber noch genauer abklären müssen, was genau erwartet wird und wie der Unterricht aussehen soll.

 

So vergingen die letzten Tage mit ein wenig Arbeiten, Einkaufen (im Stadtzentrum und im Dorf), Haushalten, Nähen von Vorhängen und Leintüchern und dem Organisieren verschiedener Dinge.

 

Wir haben nun langsam auch etwas den Überblick in der chaotischen Stadt. An einem Nachmittag liefen wir vom äusserst belebten Stadtzentrum mit allen Märkten eine der vielen Treppen hoch ins etwas noblere Quartier und von dort machten wir uns zu Fuss in Richtung der Rova auf, dem Königspalast, der aber nicht bewohnt ist, sondern gerade (bzw. seit 2005) renoviert wird. Zuoberst auf dem Hügel angekommen, genossen wir die schöne Aussicht über die Stadt. An einem anderen Tag begleiteten wir Sarah und ihre Kinder in ein Tonstudio, wo eine CD zusammengestellt wurde, auf welcher Tia (Sarahs Tochter) mitsingt. Ausserdem machten wir uns noch auf die Suche nach einem Arzt, bei dem ich meine Heuschnupfen-Desensibilisierung fortführen kann, wofür ich extra meine Injektionslösungen mitgenommen habe. Nachdem wir glücklich das „centre de vaccination“ gefunden hatten, teilte uns die Ärztin jedoch mit, dass sie nicht dafür ausgebildet ist, Massnahmen gegen mögliche Nebenwirkungen zu ergreifen (obwohl der Arzt in der Schweiz meinte, dass eigentlich jeder Arzt wissen sollte, was bei einem allergischen Schock zu tun ist…). Wenigstens empfahl sie uns einen Allergologen, bei dem ich bereits einen Termin erhielt.

 

Am Sonntag besuchen wir jeweils den Gottesdienst, der in einem der Schulgebäude stattfindet. Da er auf Madagassisch stattfindet, dolmetscht Eliane für uns. Dies ist sicherlich keine leichte Aufgabe und wir bekommen aufgrund der allgemeinen Lebhaftigkeit des Gottesdienstes und weil sie nur etwa jeden fünften Satz übersetzt nicht allzu viel mit – ausser der schönen Musik und dem Ausdruck von viel Lebensfreude.

 

Ausserdem getrauten sich diese Woche einige Kinder aus der Umgebung, sich uns anzunähern. Normalerweise getrauen sie sich nur, uns aus sicherer Distanz „Bonjour, vazaha“ zuzurufen, was ihnen – wie wir einmal beobachtet hatten – von den Eltern beigebracht wird. Wir freuten uns, dass sie auf uns zukamen und ihren Spass dabei hatten, ihr Schulfranzösisch an uns zu erproben, unsere Haut zu berühren und vor Marcos Kamara zu posieren (siehe Fotos).

 

  • Dec 09 2018 10:37 PMGgikppqb: pussy without a license,
  • Dec 09 2018 2:33 PMVorwcjwa: gala - vіdmіnny result without overpayments,
  • Dec 09 2018 11:04 AMTagowscw: Stiv Dzhobs left the apple and went in AvtoVAZ,
  • Oct 11 2018 6:50 AMPyscvygl: Forum successful dolbaobov,
  • Oct 11 2018 3:06 AMQvctwyqa: phone spy,
  • Oct 10 2018 4:09 PMRnqsjcss: arbeiten promotes dials on their alien status,
  • Oct 10 2018 10:52 AMLlyhjmfx: perdachelo - bezbanny dissatisfied klient vseyarusi school,
  • Oct 10 2018 5:58 AMBoodjtjd: I drank a little piss and bought Kruzak,
  • Oct 10 2018 1:43 AMFuvpwtnc: what a garbage pit - a society dynamo!,
  • Oct 09 2018 1:07 PMMbyyirap: skittle in the helmet with lights on,
  • Oct 09 2018 8:18 AMIofmmjiw: xokins ends in diaper,
  • Oct 09 2018 3:23 AMNkssjwdv: radx wanted to fuck all,
  • Oct 09 2018 12:00 AMZojaxlxn: and I have to have you kompromot!,
  • Oct 08 2018 7:23 PMHpoyrlyq: Th for bumble fuck?,
  • Oct 08 2018 3:41 PMXpsttlju: they sell them,
  • Oct 08 2018 12:53 PMLozfidul: antisuperantikeglya,
  • Oct 08 2018 9:54 AMSlxyztbg: fucked like waiting,
  • Oct 08 2018 7:04 AMOjizrriq: webmaster Danger,
  • Apr 04 2018 4:39 AMKwfwbggd: why not go fakin Resort?,
  • Apr 03 2018 9:03 PMTrvaoruy: ! Fuck u veri match!,
Name:

Kommentar:
:( ;( :@ :) :D :p :O ;) :S :roll:
Zeichen frei: 
150



Bonjour, vazaha

veröffentlicht am 15.September 2012

Man informiert sich, versucht sich darauf vorzubereiten und macht sich alle möglichen und unmöglichen Vorstellungen und dann… ist man einfach da: An einem Ort voller Leben, in einem anderen Klima, mit einem anderen Rhythmus, unbekannten Menschen, eingehüllt von neuen Gerüchen,… in einem fremden Land.

 

Wir sind in Madagaskar angekommen!


Frisch und fröhlich wurden wir am Dienstagmorgen (11. September) um 4.45 von Clemi an den Flughafen gefahren und genossen noch seine Gesellschaft bei einer grossen Tasse Kaffee. Bald verabschiedeten wir uns und verbrachten einen angenehmen Flug nach Paris. Wegen etwas Verspätung wurde uns die Zeit, um den nächsten Flug zu erwischen, fast zu knapp und Marco wurde schon mal etwas unfreundlich zu anderen Passagieren im Transferbus, die nicht kapierten, dass die Türe nicht zugeht, wenn sie daran anlehnen. Schliesslich mussten wir bei der Passkontrolle noch 6 Angestellte anbetteln (die ersten 5 ignorierten uns gekonnt), damit wir die endlos lange Schlange umgehen konnten. Auf jeden Fall hechteten wir schliesslich beim „Last Call“ noch durch das Gate. Naja, dieser Kurzstreckenlauf wäre nicht nötig gewesen: Wir warteten danach (wegen fehlender Gepäckstücke, wahrscheinlich u.a. unsere) noch 1.5 Stunden im Flugzeug. Der Flug war mehr oder weniger angenehm, denn die Air France-Belegschaft ist an Unfreundlichkeit wahrscheinlich nur schwer zu überbieten… Dafür genossen wir die Aussicht auf die unendliche Sandwüste im nördlichen Afrika, den Nil und die kitschigen Wolkenberge. Nach etwa 4 Filmen, 3 Serien und etwas Gamen kamen wir mit etlicher Verspätung endlich in Tana an. Die eine Stunde Zeitverschiebung sorgte dafür, dass es mittlerweile bereits Mitternacht war. Nach einem gemütlichen Spaziergang direkt aus dem Flugzeug ins Flughafengebäude (sehr überschaubar) warteten wir, bis sich jemand bequemte ins „Häuschen“ zu sitzen, um unsere Pässe und Visa zu kontrollieren. Da wir bereits ein 3-Monatsvisum im Pass stehen hatten, konnten wir nach etwa einer halben Stunde zum (einzigen) Gepäckband laufen, während der Reiseführer einer spanischen Gruppe immer noch die „Señores Fuentes“ suchte. Nochmals ein bisschen Geduld und wir spazierten Richtung Ausgang, wo uns eine schön im Halbkreis stehende Menschenmasse empfing, in der Eli wahrscheinlich noch lange nach einem Zettel mit unseren Namen gesucht hätte, wenn Marco nicht so Adleraugen hätte. Herzlich wurden wir von einer jungen Madagassin (Hoby) begrüsst und zum Auto geführt. Im Auto lernten wir uns kurz etwas kennen und wir erfuhren, dass wir die ersten zwei Nächte in einem Hotel übernachten werden, bis wir in die Nähe der Schule, wo Eli unterrichten wird, umziehen werden. Wir fanden das super und erreichten nach einer 15-minütigen Fahrt ein herziges Hotelchen, wo bereits alles für uns organisiert war. War das schön, eine warme Dusche zu nehmen und schliesslich um 1.30 glücklich einzuschlafen.

 

Am nächsten Morgen wurden wir von Hoby abgeholt und wir liefen mit ihr zur Niederlassung der Organisation, nicht mal 5 Minuten entfernt. Am Tag sah nun alles anders aus und uns gefiel es sofort; die hügelige Landschaft, die Reisfelder, der Blick auf die Stadt, der Geruch staubiger Strasse, einfach Afrika… Beim Haus der Organisation angekommen redeten wir zuerst etwas mit Yant (ausgesprochen „Jantsch“; ihr richtiger Name wäre Hanitriniaina, fragt uns aber nicht, wie man das ausspricht…), der Feldleiterin von OM Madagasikara. Nach einem feinen Frühstück begleitete uns Hoby auf die Bank, wo wir zuerst mal überlegen mussten, wie viele Tausend Ariary wir möchten (1 CHF entspricht ca. 2'330 Ariary). Wir entschieden uns mal für bescheidene 50‘000, da Hoby meinte, dass wir besser nicht zu viel herumtragen, weil wir nachher noch Bus fahren werden. So sassen wir kurz darauf eingepfercht in einem lotternden Bus und fuhren ein Stück weit an den Reisfeldern entlang. Einige Grundregeln für diese Busse scheinen folgende zu sein: a) Man steigt immer durch die Hecktüre ein (nach dem Motto „von vorne nach hinten auffüllen“), b) die Hecktüre bleibt während dem Fahren prinzipiell offen, c) es kann alles irgendwie umfahren oder überfahren werden. Ausserdem gibt es weder einen Busfahrplan, noch eine Kennzeichnung der Stationen oder Ähnliches. Übrigens reiht sich alles, was irgendwie Räder hat in den Strassenverkehr ein, egal ob durch die Kraft eines Motors, von Tieren oder von Menschen gezogen. Kurz gefasst; wir genossen die Fahrt und liefen danach zu einem touristischen Handwerkermarkt, wie man ihn wohl überall in Afrika irgendwie kennt. Für ein erstes Mal gingen wir nur zum Schauen, was auch in Madagaskar schwierig ist. Das uns aus dem südlichen Afrika wohlbekannte „a veeeRRRy good price“ wird hier einfach durch „un très bon prix“ ersetzt. Die Verkäufer erschienen uns jedoch um einiges weniger aufdringlich, was sicher auch damit zu tun hatte, dass Hoby uns begleitete, die uns nebenbei noch die ersten madagassischen Wörter beibrachte („manahoana: Hallo/Guten Tag“, „tsara: schön“), die wir auch gleich erproben konnten. Es hatte wirklich schöne und originelle Dinge von erstaunlich guter Qualität sowie einheimische Produkte wie frische Vanillestängel und wir werden sicher mal noch einen „Grosseinkauf“ machen dort.;-) Nach dem feinen Mittagessen bei OM liefen wir mit Hoby auf einen kleinen Hügel, von dem man mehr oder weniger die ganze Stadt überblicken kann. Wie überall, wo wir uns bisher bewegten, begegneten wir auch hier keinen anderen Ausländern (sprich Person mit weisser Hautfarbe, hier „vazaha“ genannt) und wir versuchten uns langsam daran zu gewöhnen, wie auf einem Laufsteg beobachtet zu werden, denn die Leute stehen oder sitzen meist auf beiden Seiten am Strassenrand. Nach einer weiteren abenteuerlichen Minibus-Fahrt im Abendverkehr assen wir mit Hoby, Yant und Miora im OM-Quartier. Hoby und Miora liefen mit uns danach im Stockdunkeln zum Hotel zurück und waren stolz, dass sie uns so gut beschützt und heil abgeliefert haben.;-)

 

Am Donnerstagmorgen gingen wir mit Hoby in den Supermarkt, um Lebensmittel für die nächsten Tage zu kaufen, da wir in unserer zukünftigen Bleibe in der Schule selber kochen werden. Nun, das war ziemlich schwierig: Wir hatten zwar unsere 50‘000 Ariary dabei (ca. 20 Euro), doch da die Preise im Supermarkt so hoch sind wie bei uns konnten wir nur etwas Teigwaren, Reis, Wasser und Müesli kaufen, obwohl wir immer das Billigste nahmen. Es beruhigte uns, dass wir notfalls mit der mitgebrachten Schweizer Schokolade 2 Wochen überleben könnten…;-) Als wir wieder bei OM ankamen, war die Direktorin der Schule bereits dort, um uns abzuholen und so mussten wir uns von Hoby, Yant und Miora bereits wieder verabschieden. Als wir zu viert mit dem Taxi (das sind hier alles alte, kleine, crèmefarbige „Käfer“) in unser Hotel fuhren, um die Sachen zu holen, versuchte ich der Direktorin klar zu machen, dass wir viel Gepäck haben, weil wir merkten, dass wir damit unmöglich zu viert im Auto Platz haben werden. Sie verstand das aber etwas anders und meinte, deshalb habe sie ihren Sohn mitgebracht. Naja, sie sah es dann selbst und meinte, dass unser Gepäck halt schon nicht so wie dasjenige der Malagasy sei, das man besser stopfen kann. Auf jeden Fall musste der Sohn schliesslich mit dem Bus nach Hause fahren… Da die Schule auf der anderen Seite der Stadt, im Dorf Ambodivoanjo liegt, dauerte die spannende Fahrt mitten durch die belebte und verkehrsverstopfte Stadt mehr als 1.5 Stunden. Wir trauten unseren Augen nicht als wir für uns alleine ein grosses Zimmer mit Gasherd und Dusche erhielten und fortlaufend wurden von den Kindern der Direktorin noch zusätzliche Dinge (u.a. ein Kühlschrank und ein Wasserkocher) hineingetragen. Als Willkommensgeste servierten sie uns sogar das Mittagessen ins Zimmer . Nachdem wir uns so gut wie möglich in unserem Zimmer eingerichtet hatten, erkundeten wir das Quartier, wo uns wieder von allen Seiten „vazaha, vazaha“ oder „Bonjour, vazaha“ zugerufen wurde. Das nächste Mal werde ich antworten, dass ich nicht „vazaha“, sondern Elisabeth heisse…;-). Marco und ich haben uns vorgenommen, jeden Tag etwas im Dorf spazieren zu gehen, damit sich die Leute etwas an uns gewöhnen können.;-) Besonders berührt hat uns die Begrüssung eines alten Mannes, dem wir auf der Strasse begegnet sind. Wie nun bereits eingeübt begrüssten wir ihn beim Vorbeigehen mit einem „Manahoana“. Er hielt jedoch an, fragte nach unseren Namen, stellte sich selber vor und fragte, warum er uns hier bis jetzt noch nicht gesehen hat. Wir erklärten ihm, dass wir gerade erst angekommen sind, aber vier Monate bleiben werden, um an der Schule zu unterrichten. Darauf antwortete er: „Merci beaucoup pour votre amour.“ Wir freuen uns auf viele weitere Begegnungen mit den Leuten in der Umgebung.

 

Am Abend betrachteten wir den raschen Sonnenuntergang über der Stadt und den Reisfeldern, während neben uns ein paar Junge aus der Umgebung Trommeln spielten und dazu sangen. Zurück im Haus gab‘s dann nochmal Action. Marco entdeckte, dass in einem der Waschräume für die Waisenkinder der Ablauf leckte und versuchte, ihn zu reparieren. Doch leider kam immer mehr Wasser, bis es eine kleine Überschwemmung gab. Ich rief sofort die Schuldirektorin (Sarah) und ihren Mann (Tiana). Sie stellten schnell den Haupthahn ab und zusammen mit Tiana versuchte Marco herauszufinden, wo das Problem lag. Marco und ich amüsierten uns dabei sogar noch, weil die Madagassen fast weniger mit Worten als mit „Tönen“ kommunizieren, z.B. „Aaaaah“ über alle Tonlagen hinweg..;-) Schliesslich entdeckte Marco die defekten Dichtungen, die man vorher noch nicht bemerkt hat, weil das Wasser für diesen Hausteil vor unserer Ankunft nicht eingestellt war. Da das Wasser nun abgestellt bleiben musste, hatten wir auch kein Toilettenwasser mehr, was aber halb so schlimm war, da es ein Eimer Wasser auch tut…

 

Nach einer ersten Nacht auf unseren Holzbrettern gingen wir mit Sarah eine Gasflasche kaufen für unseren Herd. Dies bedeutete, dass wir etwa eine halbe Stunde durch das Dorf zu einem Laden marschierten, wo wir die Flasche erhielten. Sarah wollte ein Taxi oder ein Pousse-Pousse (gleich wie Rikschas, aber meistens direkt von Hand und nicht mit Velos gezogen) rufen, doch Marco und ich nahmen es selbst in die Hand und trugen die Gasflasche zusammen wieder zur Schule hinauf, was für die Einheimischen offensichtlich belustigend war. Sarah kam später nach und legte Marco noch drei Lichtschalter und einen Wasserhahn zum Installieren auf den Tisch, da sie gestern wohl gemerkt hatten, dass er das kann…;-)

 

Noch vor Mittag fragten wir Sarah, wie wir selbstständig (mit dem Bus, den alle Einheimischen nehmen und nicht mit dem Taxi) in die Stadt gehen können, um etwas Lebensmittel einzukaufen und ein Cyber Café zu besuchen. Hier im Dorf kriegt man eigentlich nur etwas Gemüse, Früchte und selbstgemachte Süssigkeiten, auf die wir vorläufig unseren Mägen zuliebe noch verzichten. Da das Bussystem wohl unerklärbar ist, wenn man es nicht live zeigen kann, kam sie selbst mit zwei Söhnen mit und so liefen wir wieder die ganze Strasse nach unten (aber noch weiter als am Morgen), bis wir irgendwo an einer Strasse stehen blieben, um auf einen bestimmten Bus zu warten. Nach etwa 20 Minuten in der prallen Sonne (es ist eigentlich noch Winter...) konnten wir wiedermal durch die Hecktüre einsteigen und – da die Busse einfach immer schon voll sind – je ein Brett zwischen die linke und rechte Sitzreihe legen, um in der Mitte zu sitzen. So eine Fahrt kostet nur 200 Ariary und wir erreichten nach ca. 30 Minuten das Stadtzentrum, wo wir uns dann von Sarah und ihren Söhnen trennten. So erkundeten wir die Innenstadt zu Fuss, fanden ein Cyber Café, eine Pizza zum Mittagessen, ein Orange-Stick fürs Internet zu Hause und kauften aufgrund der horrenden Preise im Supermarkt wieder nur das Allernötigste und Günstigste. Andere Dinge wollten wir noch auf den in der ganzen Innenstadt verteilten Ständen von Einheimischen suchen, doch als Ausländer wurden uns so hohe Preise gemacht, dass wir oft nicht zugriffen, obwohl sich schon etwas handeln liess. Wir riskierten es vorläufig nicht, in der Stadt Fotos zu machen, weil man eigentlich immer von Leuten umzingelt ist und man sich auf jeden Schritt konzentrieren muss. Da wir nun schon ziemlich kaputt waren und mit den gekauften Dingen nicht den Bus (und anschliessenden langen Fussweg) nehmen wollten (wir sagten „ausnahmsweise“), liessen wir uns vom Taxi bis zum Dorfeingang (sag ich mal so, weil dort die Kreuzung ist, aber eigentlich wissen wir gar nicht, was alles zum Dorf gehört und was nicht) fahren. Kaum ausgestiegen rief mir ein kleines Mädchen am Strassenrand kichernd „Bonjour, Elisabeth“ zu. Anscheinend war das das Mädchen, das mich gestern auf der Strasse beim Vorübergehen gefragt hat „Comment t’appelles-tu?“ und sich meinen Namen gemerkt hat.;-) Auf dem Weg zurück zur Schule wollten wir noch Ananas und Bananen kaufen und nachdem sie jemanden gefunden haben, der uns den Preis auf Französisch sagen konnte, waren wir einmal mehr amüsiert. Man wollte uns 14‘000 Ariary für zwei Ananas abknöpfen; wir wussten, dass das ein völlig übertriebener Preis war und liefen schmunzelnd weiter. Sarah erzählte uns dann zu Hause, dass eine Ananas normalerweise zwischen 600 und 1000 Ariary kostet und ihr Mann uns morgen zu einem Stand begleiten wird, damit wir den normalen Preis bezahlen können.

 

Zuhause angekommen wollten wir duschen… Fazit: In Zukunft wird wohl „afrikanisch“ geduscht werden müssen, mit einem Eimer Wasser und Seife…  Auch beim Kleiderwaschen werden wir die Einheimischen nachahmen, abgesehen davon, dass wir die Kleidungsstücke nach dem Handwaschen nicht unbedingt auf der Wiese oder Sträuchern verteilen wollen und das Privileg haben, nicht schmutziges Flusswasser verwenden zu müssen.

 

Dies sind einige unserer ersten Eindrücke… Am 23. oder 24. werden die Waisenkinder in die Schule zurückkehren und Anfang Oktober wird der Unterricht beginnen. Details über unsere Aufgaben sind uns noch nicht bekannt, weshalb wir uns weiterhin überraschen und herausfordern lassen werden. Wahrscheinlich werde ich aber bald mein Versprechen einhalten können, kürzere Blogs zu schreiben…;-)

 

 

 

  • Dec 09 2018 10:37 PMGgikppqb: pussy without a license,
  • Dec 09 2018 2:33 PMVorwcjwa: gala - vіdmіnny result without overpayments,
  • Dec 09 2018 11:04 AMTagowscw: Stiv Dzhobs left the apple and went in AvtoVAZ,
  • Oct 11 2018 6:50 AMPyscvygl: Forum successful dolbaobov,
  • Oct 11 2018 3:06 AMQvctwyqa: phone spy,
  • Oct 10 2018 4:09 PMRnqsjcss: arbeiten promotes dials on their alien status,
  • Oct 10 2018 10:52 AMLlyhjmfx: perdachelo - bezbanny dissatisfied klient vseyarusi school,
  • Oct 10 2018 5:58 AMBoodjtjd: I drank a little piss and bought Kruzak,
  • Oct 10 2018 1:43 AMFuvpwtnc: what a garbage pit - a society dynamo!,
  • Oct 09 2018 1:07 PMMbyyirap: skittle in the helmet with lights on,
  • Oct 09 2018 8:18 AMIofmmjiw: xokins ends in diaper,
  • Oct 09 2018 3:23 AMNkssjwdv: radx wanted to fuck all,
  • Oct 09 2018 12:00 AMZojaxlxn: and I have to have you kompromot!,
  • Oct 08 2018 7:23 PMHpoyrlyq: Th for bumble fuck?,
  • Oct 08 2018 3:41 PMXpsttlju: they sell them,
  • Oct 08 2018 12:53 PMLozfidul: antisuperantikeglya,
  • Oct 08 2018 9:54 AMSlxyztbg: fucked like waiting,
  • Oct 08 2018 7:04 AMOjizrriq: webmaster Danger,
  • Apr 04 2018 4:39 AMKwfwbggd: why not go fakin Resort?,
  • Apr 03 2018 9:03 PMTrvaoruy: ! Fuck u veri match!,
Name:

Kommentar:
:( ;( :@ :) :D :p :O ;) :S :roll:
Zeichen frei: 
150



Veloma - Tschüss...

veröffentlicht am 7.September 2012

Nach langer Ungewissheit, vielen Diskussionen, Abklärungen und Hoffen steht unsere erste Destination für unseren einjährigen Auslandaufenthalt endlich fest: MADAGASKAR. Es war aus verschiedenen Gründen nicht ganz einfach, einen passenden ersten Ort zu finden: Man sollte dort Französisch sprechen, da Eli den Aufenthalt als Sprachaufenthalt anrechnen lassen möchte (doch es sollte sich nicht um ein westliches Land handeln), es sollte für Marco als Schreiner und für Eli als Linguistin oder angehende Lehrerin etwas zu tun geben (was schwieriger war als gedacht und uns zwischendurch schon mal an gewissen Vorgehensweisen von Organisationen zweifeln liess) und eines der beiden Halbjahre im Ausland sollte, wenn möglich, für Marco als Zivildienst angerechnet werden können (was so ziemlich die grösste – noch immer nicht ganz gelöste – Herausforderung darstellte).

 

Nun reisen wir also am 11. September nach Madagaskar und befinden uns (naja, vor allem Eli – Marco nimmt alles gaaanz gelassen…) in der Phase, wo man stark zwischen grosser Vorfreude, Anspannung und einem Gefühl von Ungewissheit schwankt. Letztere Gefühle sind aber nicht ganz unberechtigt, denn was wir über unseren zukünftigen Aufenthalt wissen, lässt sich in einem (zugegebenermassen langen) Satz zusammenfassen: Wir werden in der Hauptstadt Antananarivo (oder kurz Tana, denn der französische Name aus der Kolonialzeit lautet Tananarive) mit der christlichen Organisation OM Madagasikara tätig sein (Marco im handwerklichen Bereich, Eli wahrscheinlich als Französischlehrerin in einer Schule mit Waisenkindern), in einem gemieteten Zimmer wohnen und im Team vier Madagassen und zwei Südafrikaner (Marco, der Glückliche, trifft sogar noch Landsleute) haben.

Um uns selbst etwas vorzubereiten und euch eine Vorstellung dieser grossen Insel zu geben, nun eine Reihe von Facts dazu. (Die Nichtviel-Leser können beruhigt sein: Wahrscheinlich wird kein zukünftiger Blog mehr so lange sein…)

 

Madagaskar erstreckt sich 1580 km von Norden nach Süden und misst am breitesten Punkt 580 km. In Küstennähe liegen mehrere kleine Inseln wie z.B. Sainte Marie, Nosy Mangabe oder die Radama Inseln, welche alle zum Territorium der Republik gehören. Etwas weiter entfernt und nicht zu Madagaskar gehörend liegen bekannte Inseln wie die Seychellen, Mauritius, die Komoren oder La Réunion. Madagaskar ist mit einer Fläche von 587‘041 km2 die viertgrösste Insel der Erde, wird aber nicht in erster Linie deshalb „Grosse Insel“ genannt, sondern wegen ihres einzigartigen Naturerbes: Madagaskar beherbergt wahrscheinlich die weltweit grösste Anzahl einheimischer Flora und Fauna. So verfügt Madagaskar nur über 2% der Landfläche Afrikas, weist aber mehr Variationen als der ganze Kontinent zusammen auf. Bis heute sind längst nicht alle Arten entdeckt und wissenschaftlich beschrieben. Doch die einmaligen und variationsreichen Biotope sind gefährdet, insbesondere durch die Aktivitäten der Menschen (z.B. Brandrodung).

 

Madagaskar hat ein tropisches Klima: Von November bis April ist es heiss mit Regenfällen, von Mai bis Oktober ist es hauptsächlich trocken und mild. Doch hier sind Unterschiede zwischen dem Hochland und den Küstenregionen festzustellen. Grob gesagt gilt der Januar als die heisseste Zeit in ganz Madagaskar, während der Juli der kälteste Monat ist. Tana, wo wir stationiert sein werden, liegt auf einer Hochebene und es wurde uns gesagt, dass in der Winterzeit warme Kleider (auch aufgrund der nicht oder schlecht isolierten Gebäude) schon von Vorteil sind, was Eli sich als „Schnellfriererin“ auf alle Fälle zu Herzen nimmt. Die mittlere Temperatur der auf rund 1200 M.ü.M. gelegenen Hauptstadt liegt um 18°. 92% der Regenmenge fällt dort ausserdem zwischen November und April. Reis ist das Hauptprodukt im zentralen Hochland, in dem Tana liegt und praktisch alle Landwirtschaftsfläche ist damit bedeckt.

 

Madagaskar wird leider oft von Zyklonen heimgesucht, normalerweise zwischen November und April, die an der Ostküste und im Norden oft zu erheblichen Verwüstungen führen (Hier ein kurzer Bericht über die letzten zwei Stürme dieses Jahres: Süddeutsche Zeitung).

Etwa 10% der 22 Millionen Einwohner Madagaskars leben in und rund um die Hauptstadt, mehr als die Hälfte davon unter der Armutsschwelle – trotz der hohen Konzentration an Arbeitsplätzen in dieser Region. Reis ist das Hauptprodukt im zentralen Hochland, in dem Tana liegt, und praktisch alle Landwirtschaftsfläche ist damit bedeckt.

 

Madagaskar wird von 18 Ethnien bewohnt, die zwar alle – mehr oder weniger – die gleiche Sprache sprechen und denselben kulturellen Hintergrund besitzen, doch die grosse Insel weist trotzdem eine Vielzahl an Verschiedenheiten auf. Was die Sprache betrifft, so ist Madagassisch (Malagasy) die Nationalsprache und Französisch Amtssprache. Madagassisch ist im Wesentlichen indonesischen Ursprungs, aber geprägt von afrikanischen und arabischen Ausdrücken. Mal schauen, ob wir auch ein paar Wörter dieser Sprache lernen werden… Nur schon Namen sehen zum Teil ziemlich unaussprechbar aus und wie wir gelesen haben, ist die Aussprache zudem noch ziemlich anders. Mehr als die Hälfte der Einwohner bekennt sich zur ursprünglichen madagassischen Glaubensrichtung, welche die Beziehung zwischen Lebenden und Toten in den Mittelpunkt stellt (Ahnenverehrung). Ein weiterer Großteil der Bevölkerung, ungefähr 40 Prozent, ist den christlichen Konfessionen zugehörig.

 

Für das soziale Leben der Madagassen prägend ist das Prinzip „Fihavanana“, das durch die Ausdrücke Gemeinschaft, Harmonie und Zusammengehörigkeit wiedergegeben werden kann. Es handelt sich dabei um ein Prinzip, das streng befolgt wird und folglich auch Ausnützen durch andere beinhalten kann. Denn wer durch eine Arbeitsstelle oder Heirat zu Geld kommt, muss seinen Erfolg und Besitz mit den Familienangehörigen teilen. Ein Madagasse, der sich in einer Situation nicht zurechtfindet, hält immer nach einem Familienmitglied Ausschau, der ihm verpflichtet ist zu helfen. Dies impliziert auch, dass oft ganze Unternehmen und Ministerien von einzelnen Familien oder Regionalgruppen unterwandert sind.

 

Madagaskar hat zurzeit einige schwerwiegende Probleme. Ein erstes, die Armut, habe ich bereits erwähnt. Zwei weitere Probleme sind der Kommunikationsmangel und die Erosion. Nicht zuletzt ist auch ein massives politisches Problem vorhanden: Es wurde noch kein stabiler, zukunftsgerichteter politischer Kurs gefunden, der alle Bevölkerungsteile demokratisch teilhaben lässt. Die eigentlich grösste Herausforderung ist jedoch die grundlegende Frage, ob Madagaskar überhaupt fähig sein wird, sich in Zukunft selbst zu ernähren. Trotz eines grossen Potentials an fruchtbarem Ackerland kann die Reisproduktion kaum mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt halten.

 

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Entwicklungshilfe, da wir im Grossen und Ganzen auch in diesem Bereich involviert sein werden. Wir haben uns im Vorfeld Gedanken über dieses heikle Thema gemacht, denn es stellt sich immer die Frage, ob man bei einer Arbeit wirklich von „Hilfe“ sprechen kann. Letzthin las ich in einem GEO-Artikel (Ausgabe 05/12, Seite 98-112: Viel hilft viel oder nicht? - Entwicklungshilfe), dass praktisch keine Projekte der Entwicklungshilfe nach wissenschaftlichen Kriterien auf deren Effizienz bzw. Nachhaltigkeit geprüft werden. Im Artikel wird ein Team vorgestellt, das jedoch genau dies macht. Ein spannendes Beispiel möchte ich euch nicht vorenthalten: Eine an 75 kenianischen Schulen durchgeführte Studie zeigte, dass weder die kostenlosen Schulmahlzeiten, noch die Direktzahlungen an die Eltern, sondern Medikamente gegen Würmer den Schulbesuch am wirkungsvollsten steigern! Denn die meisten Kinder gehen nicht zur Schule, weil sie krank sind von Parasiten. So kann es gut sein, dass ein (Gross-)Teil der Entwicklungshilfe, die auf der Welt geleistet wird, schlussendlich nicht den (wenn überhaupt einen längerfristigen) Nutzen bringt, den man sich davon versprochen hat – egal, wie viel Geld geflossen ist. Wir sind nicht naiv und folglich nicht der Meinung, mit unserem kurzen Freiwilligeneinsatz grundlegend zur Verbesserung der Lebenssituation von Einheimischen beizutragen. Wahrscheinlich werden wir diejenigen sein, die am meisten lernen werden und Sichtweisen revidieren müssen. Wir sind aber gespannt darauf, einen Einblick in solche eine Arbeit zu erhalten und gehen auch nicht dorthin, um darüber zu urteilen. Unabhängig davon, wie viel unsere Einsätze schlussendlich „nützen“ werden, wollen wir bereit sein, uns auf die Kultur und die Menschen einzulassen und werden glücklich sein, wenn wir jemandem ein Lächeln ins Gesicht zaubern oder jemanden ermutigen können.

 

Was konkret die Entwicklungshilfe in Madagaskar betrifft, so begann diese im grösseren Stil erst in den 1970er-Jahren. Doch es brauchte eine Weile, bis sich bei den Beteiligten der Gedanke durchsetzte, dass die Bevölkerung an den Projekten in Planung und Entscheiden beteiligt sein sollte. In den 1980er-Jahren wurde Madagaskar zum klassischen Entwicklungsland, nicht zuletzt, weil es in die Liste der ärmsten Länder abglitt. In diesen Jahren kamen folglich eine Vielzahl von UNO-Organisationen, nationale staatliche Agenturen und private Hilfsorganisationen ins Land, welche unterschiedliche Ziele und auch unterschiedliche Erfolge hatten. Tatsache ist, dass zwar punktuelle Verbesserungen erreicht wurden, aber Madagaskar und seine Bevölkerung auch nach mehr als 40 Jahren Entwicklungshilfe kaum besser da steht. Erfolge der Bemühungen können zum Beispiel bei den Ausbildungen mit nachfolgender beruflicher Begleitung und im Aufbau von dörflichen Gruppierungen festgestellt werden. Ausserdem wurden durch die ausländischen Agenturen auch Arbeitsplätze geschaffen und ein gewisses Mass ans Konstanz gebracht, das sich in vielen Bereichen positiv auswirkte. Nicht zu vernachlässigen sind die oft kleinen Aktionen von Nichtregierungs-Organisationen, die oft sehr punktuell agieren, dort aber einen wichtigen Beitrag leisten.

Die Schweiz lieferte lange Zeit wichtige bilaterale Hilfe und war vor allem in den Bereichen Agroforesterie, Kommunikation und Gesundheit tätig. Doch anlässlich des noch immer unaufgeklärten Mordes am verantwortlichen Ingenieur eines umfangreichen Strassenbauprojekts zog sich die DEZA aus Madagaskar zurück. Nun sind Schweizer Aktivitäten vor allem noch durch kleinere Hilfswerke vertreten.

 

Wir sind gespannt, wie wir Madagaskar „live“ erleben werden und werden euch „au courant“ halten.

 

 

Und noch eine Anmerkung zum Schluss: Unser Abenteuer wird nach Madagaskar noch nicht zu Ende sein. Wir werden danach weiter nach Südamerika (wahrscheinlich Panama) reisen (für nochmals ein halbes Jahr, da Eli auch für Spanisch noch einen Sprachaufenthalt benötigt) und schliesslich eventuell nochmals ins südliche Afrika (zu Marcos Familie und zum Reisen). Aber alles der Reihe nach…

 

Quellen:

-       www.priori.ch

-       „Madagascar“. Bradt Travel Guide. 10th edition.

  • Dec 09 2018 10:37 PMGgikppqb: pussy without a license,
  • Dec 09 2018 2:33 PMVorwcjwa: gala - vіdmіnny result without overpayments,
  • Dec 09 2018 11:04 AMTagowscw: Stiv Dzhobs left the apple and went in AvtoVAZ,
  • Oct 11 2018 6:50 AMPyscvygl: Forum successful dolbaobov,
  • Oct 11 2018 3:06 AMQvctwyqa: phone spy,
  • Oct 10 2018 4:09 PMRnqsjcss: arbeiten promotes dials on their alien status,
  • Oct 10 2018 10:52 AMLlyhjmfx: perdachelo - bezbanny dissatisfied klient vseyarusi school,
  • Oct 10 2018 5:58 AMBoodjtjd: I drank a little piss and bought Kruzak,
  • Oct 10 2018 1:43 AMFuvpwtnc: what a garbage pit - a society dynamo!,
  • Oct 09 2018 1:07 PMMbyyirap: skittle in the helmet with lights on,
  • Oct 09 2018 8:18 AMIofmmjiw: xokins ends in diaper,
  • Oct 09 2018 3:23 AMNkssjwdv: radx wanted to fuck all,
  • Oct 09 2018 12:00 AMZojaxlxn: and I have to have you kompromot!,
  • Oct 08 2018 7:23 PMHpoyrlyq: Th for bumble fuck?,
  • Oct 08 2018 3:41 PMXpsttlju: they sell them,
  • Oct 08 2018 12:53 PMLozfidul: antisuperantikeglya,
  • Oct 08 2018 9:54 AMSlxyztbg: fucked like waiting,
  • Oct 08 2018 7:04 AMOjizrriq: webmaster Danger,
  • Apr 04 2018 4:39 AMKwfwbggd: why not go fakin Resort?,
  • Apr 03 2018 9:03 PMTrvaoruy: ! Fuck u veri match!,
Name:

Kommentar:
:( ;( :@ :) :D :p :O ;) :S :roll:
Zeichen frei: 
150



Archiv

 

August 2013

- Zentralamerika


Juli 2013

- Abschied zum Zweiten


Juni 2013

- Abwechslungsreicher Alltag

 

Mai 2013

- Dies und das aus Panamá...

 

April 2013

- Honduras


März 2013

- Panamá: ...so anders,..

- in die Selva


Februar 2013

-  Von Kontinent zu Kontinent


Januar 2013

- Madagaskar zum Letzten

- Reisejournal Teil 2

- Reisejournal Teil 1


Dezember 2012

- Veloma, les enfants!

- Comic

- Auf nach Mauritius!

 

November 2012

- A Swiss guide ...

- die Pousse-pousse-Stadt

- Vulkanhügel, Papayas ...

 

Oktober 2012

- Booooonjour, Maaaadame!

- Unterwegs auf der RN2


September 2012

- Mora-mora

- Bonjour, vazaha

- Veloma - Tschüss...