Dies und das aus Panamá...

veröffentlicht am 8. Mai 2013

Mittlerweile sind bereits wieder ein paar Wochen seit unserem letzten Eintrag vergangen und nun ja, eigentlich gibt es gar nicht so viel Neues zu erzählen. Der Alltag ist eingekehrt und wie bereits gesagt, gibt es hier, im Gegensatz zu Madagaskar, nicht mehr sehr viel Aussergewöhnliches, an dass wir uns noch gewöhnen müssten (wobei ich natürlich nur von unserem jetzigen Aufenthaltsort und Alltag spreche). Die letzten Wochen waren wir ziemlich intensiv mit dem Bau des Holzhauses beschäftigt, den Marco leitet. Das Haus steht noch lange nicht, da es immer wieder Hindernisse gab und geben wird… Anfangen tut natürlich alles beim lieben Geld. Da momentan auch die Kirche neu aufgebaut wird, wobei gleichzeitig ein „comedor“ für 200 bedürftige Kinder integriert wird, bauen wir „unser“ Holzhaus sozusagen aus den Abfallprodukten, die von den Abbrucharbeiten übrig blieben. Dies bringt auf alle Fälle oft einen Mehraufwand und Umständlichkeit mit sich und verlangt einiges an Kreativität. Auch etwas Frustration kommt ab und zu auf... Am Anfang mussten erst mal 20 Löcher für die Pfosten (auf denen das Haus stehen wird) gebuddelt werden, was ziemliche Knochenarbeit war (v.a. nachdem wir die schattenspendenden Bäume gefällt hatten). Die Pfosten als auch die Holzlatten, die wir daraufhin als Träger befestigten (wobei Marco sich ziemlich über die schlechte Qualität der chinastämmigen Schrauben aufregte) waren Restholz, das wir zuvor beim lokalen Schreiner zugeschnitten hatten. Irgendwann konnten wir dann die Löcher noch mit Zementauffüllen und die ganze Grundkonstruktion mit Feuchtigkeitsschutzmittel bestreichen (was jedem von uns mindestens ein auf ewig schwarzgeflecktes Kleidungsstück bescherte). Um nun weitermachen zu können (das nächste Ziel wäre, das Dach zu bauen, damit wir den Rest in aller Ruhe auch bei Regen fertigstellen können), fehlte nun mehr Holz. So wurden kurzerhand noch mehr Bäume auf dem Kirchgelände gefällt, die ausserdem sowieso eine Gefahr darstellten. Problem: Frischgeschnittenes Holz können wir nicht verwenden. So war der nächste Schritt der improvisierte Bau eines „Trocknungsofens“, in dem wir während mehr als einer Woche rund um die Uhr anfeuerten. Etwas trockner wurde das Holz auf alle Fälle, aber halt doch nicht so, wie es durch eine professionelle Trocknung geworden wäre. Ausserdem war die Überwachung etwas schwierig, v.a. in der Nacht, so dass die ganze Beige zweimal anfing zu brennen, da es zu einer Wärmeübertragung gekommen war.


Was unsere übrigen Aktivitäten betrifft, so sind Marco und ich vorläufig am Dienstag nicht mehr bei unseren Einsätzen in David dabei, da wir uns entschieden haben, den ganzen Donnerstag im Rehabilitationszentrum für Jugendliche zu verbringen. Aufgrund des Baus des Holzhauses liegt es momentan leider nicht drin, an zwei Tagen weg zu sein… In diesem Zentrum (Escuela Granja Arturo Miró), über das wir euch im Folgenden etwas genauer Auskunft geben möchten, leben 12-18-jährige Jungs, die vom Staat aufgrund äusserst schwieriger Lebensumstände dorthin verwiesen wurden. Die Jungs landen also nicht dort, weil sie selbst etwas verbrochen hätten – denn es handelt sich nicht um eine Jugendstrafanstalt –, sondern weil sie von den Eltern oder Verwandten verlassen oder missbraucht worden sind, was die Jugendlichen aber natürlich oft negativ prägte. Die Jüngeren besuchen die Schule direkt im Zentrum und es wird versucht, ihnen ein neues Zuhause zu bieten, wo sie Liebe und Annahme erfahren. Die vorhandenen Mittel und Infrastrukturen sind jedoch ziemlich beschränkt und heruntergekommen, so dass mit wenig eine sehr gute Arbeit gemacht wird. Es arbeiten auch Psychologen mit den Jugendlichen, um ihnen bei der Verarbeitung ihrer meist sehr traumatischen Kindheit zu helfen und sie auf ein Leben ausserhalb des Zentrums (das sie im Alter von 18 Jahren verlassen müssen) vorzubereiten. Dieses Zentrum liegt in Potrerillo, fast eine Autostunde von Volcán entfernt, und es wäre der Ort gewesen, wo Marco für den Zivildienst gearbeitet hätte, wenn es geklappt hätte. Nun investieren wir jeweils den Donnerstagmorgen in praktische Hilfe (momentan schweissen wir Gitter für die Fenster der neuen Unterkünfte der Jungs) und am Nachmittag führen wir (zusammen mit anderen unseres Teams) ein Programm mit den Jungs durch. Es macht viel Freude, Zeit mit ihnen zu verbringen, aber verlangt auch einiges an Nerven ab, da es mit der Disziplin noch etwas hapert. Der Wunsch der Zentrumsleitung ist aber gerade, dass wir vor allem einfach Zeit mit den Jungs verbringen, mit ihnen reden und sie kennenlernen, denn wir sind (nebst den Mitarbeitern), der einzige Kontakt, den sie zur Aussenwelt haben. Vor zwei Wochen haben wir ihnen zum Beispiel beim Hühner Schlachten, Rupfen, Ausnehmen etc. geholfen (50 Stück aufs Mal!), was ein ziemlicher Spass war. Die seelischen Wunden der Jugendlichen und ihr Verlangen nach Zuwendung und Liebe werden immer wieder erahnbar oder sichtbar und so braucht es auch viel Sensibilität im Umgang.


Wir wollen das Zentrum gerne mit (Material-)Spenden unterstützen, um einen Beitrag an die dringend notwendigen Renovationsarbeiten der Unterkünfte beisteuern zu können und für die Jungs persönlich etwas kaufen zu können. Wer dieses Anliegen unterstützen möchte, findet in den nächsten Tagen an dieser Stelle ein Dokument mit mehr Informationen.

 

Ansonsten mussten wir diese Woche in ein anderes Haus umziehen, das etwas abgelegener liegt. Es ist schön ruhig hier und man fühlt sich mit dem vielen Grün und weidenden Pferden um uns herum fast wie in der Schweiz. Man kann gemütlich vor dem Haus sitzen, den Kolibris zuschauen und wird von jedem Vorbeigehenden, -reitenden oder –fahrenden begrüsst. Im Innern des Hauses haben wir hingegen mit verschiedensten Viechern zu kämpfen, besonders eklig sind eine Art herumfliegende Käfer und natürlich die Kakerlaken. Ausserdem – wer glaubt’s – sind wir sogar für einen Hund zuständig. Dass er ziemlich klein ist und mehr Angst vor mir als ich vor ihm habe, macht es erträglich.;-) Ein Nachteil dieses Ortes ist, dass wir immer schauen müssen, wie wir von einem Ort zum anderen kommen, wenn wir das Auto der Organisation nicht gerade zur Verfügung haben.

 

Im Übrigen leben wir unseren Alltag hier und machen ab und zu interessante Erfahrungen, wie zum Beispiel ein Coiffeurbesuch, der gleich doppelt total in die Hose gegangen war. Hätte man uns doch nur gesagt, dass diese Frau für ihre rabiate Herangehensweise bereits bekannt ist… Dafür bekam ich am nächsten Morgen beim Joggen von einem kleinen Jungen spontan eine Blume geschenkt.;-) Ausserdem hat die Regenzeit pünktlich auf den 1. April begonnen und es regnete von da an ein paar Tage lang zuverlässig jeden Nachmittag ab 13.00 Uhr. Am Morgen ist es jedoch fast immer herrlich sonnig und somit auch heiss, während es ohne Sonne hier in Volcán oben auch ziemlich frisch sein kann (nicht jedoch in David, wo es einen jedes Mal fast umhaut!). Um  unser Heimweh etwas zu Stillen gibt es ausserdem jeden Sonntag einen selbstgemachten Zopf und ab und zu Rösti.;-)

 

 

 

 

 

 

 

  • May 26 2013 9:22 PMSarah: Freue mich immer über eure News und liebe es, durch die Bilder zu wandern... Danke Euch beiden fürs stetige Mitteilen!
  • May 26 2013 3:12 PMIsabell: Find ich auch. Schliesse mich Nicole an! Spannend!
  • May 17 2013 6:20 PMNicole: Hallo ihr lieben, endlich habe ich es auf Eure Seite geschafft und diese ist meeega super :) Ihr macht das so toll, ich bin stolz auf Euch!
Name:

Kommentar:
:( ;( :@ :) :D :p :O ;) :S :roll:
Zeichen frei: 
150



Archiv

 

August 2013

- El Salvador

- Honduras

- Costa Rica- Nicaragua

- Zentralamerika


Juli 2013

- Abschied zum Zweiten


Juni 2013

- Abwechslungsreicher Alltag

 

Mai 2013

- Dies und das aus Panamá...

 

April 2013

- Honduras


März 2013

- Panamá: ...so anders,..

- in die Selva


Februar 2013

-  Von Kontinent zu Kontinent


Januar 2013

- Madagaskar zum Letzten

- Reisejournal Teil 2

- Reisejournal Teil 1


Dezember 2012

- Veloma, les enfants!

- Comic

- Auf nach Mauritius!

 

November 2012

- A Swiss guide ...

- die Pousse-pousse-Stadt

- Vulkanhügel, Papayas ...

 

Oktober 2012

- Booooonjour, Maaaadame!

- Unterwegs auf der RN2


September 2012

- Mora-mora

- Bonjour, vazaha

- Veloma - Tschüss...