Abwechslungsreicher Alltag in Volcán

veröffentlicht am 16. Juni 2013

Die letzten Wochen zogen einfach so an uns vorbei und wir können euch gar nicht viele Neuigkeiten mitteilen. Mittlerweile sind unsere Tagesabläufe relativ gefestigt, aber sicher ist hier nie etwas und oft können wir unsere „perfekten schweizerischen Pläne“ nicht so durchführen, wie wir es gerne täten. ;-)
Wir arbeiten normalerweise Montag, Mittwoch und Freitag am Holzhaus, wo wir momentan gerade grosse Fortschritte machen, da Material gekauft werden konnte. Am Dienstag und am Donnerstag fahren Marco und ich jeweils ins Rehabilitationszentrum für Jugendliche Arturo Miró in Potrerillos, von dem ich im letzten Eintrag mehr berichtet hatte. Wir arbeiten an beiden Tagen handwerklich dort, d.h. wir stellen aktuell zum Beispiel gerade Sicherheitsgitter für die Fenster her, fabrizieren Holz-Metall-Stühle und fangen nächste Woche damit an, 35 Holz-Metall-Betten für die neuen Unterkünfte der Jugendlichen anzufertigen. Ausserdem stellen wir ab und zu auch kleine Dinge für die Buben her (z.B. Vogelhäuschen zum Bemalen) oder die Lehrerinnen kommen oft und fragen, ob wir etwas im Klassenzimmer reparieren können. Wir ihr vielleicht merkt, macht uns diese Arbeit total Spass und wir haben ein sehr gutes Verhältnis zum Direktor und zu den Angestellten und freuen uns auch immer sehr, die Jugendlichen zu sehen. Wenn wir am Arbeiten sind, kommen viele von ihnen in jeder freien Minute zu uns und versuchen irgendetwas zu helfen. Manchmal nehmen sie mir den Schleifklotz einfach aus der Hand und diskutieren dann, wer wie lange schleifen darf und wie die Reihenfolge ist. ;-)
Am Donnerstagnachmittag kommen noch ein paar Leute mehr von OM nach Potrerillos und wir führen ein Programm mit Liedern, Input, Spielen und „Gesprächsrunden“ in kleineren Gruppen durch. So lernen wir die Buben (und sie uns) besser kennen und auch wenn es manchmal etwas schwierig ist, sie zu bändigen, merken wir, wie sie sich immer mehr öffnen. Trotzdem werden auch  ihre seelischen Wunden immer wieder deutlich, z.B. wenn ein Bub plötzlich weint oder ein völlig seltsames Verhalten an den Tag legt. Letzte Woche bekam einer der erst kürzlich ins Heim aufgenommenen Jugendlichen Besuch, was allgemein praktisch nie vorkommt, obwohl einmal pro Woche Besuchsnachmittag ist. Der Junge hatte Geburtstag und seine Mutter brachte Kuchen für alle. Doch ein paar der anderen Buben verliessen den Raum wortlos, andere schoben den Kuchen und das Glacé (etwas Seltenes für sie!) von sich weg und wollten es nicht annehmen.
Übrigens ist die Fahrt nach Potrerillos bei schönem Wetter einfach herrlich. Die Strasse führt in vielen Steigungen und Kurven durch eine grüne Landschaft mit Wasserfällen und oft hat man weite Sicht, teilweise bis zum Meer.
Die Tage vom 23. bis zum 27. Mai haben wir uns freigenommen, um nach Boquete (Ort, der auf der anderen Seite des Volcán Barú liegt) zu fahren, damit ich dort am 24. Mai die C2-DELE-Prüfung absolvieren konnte (auf die ich mich seit März vorbereitet hatte). Anschliessend nahmen wir uns noch drei Tage frei und fuhren nach Panama City, wo wir den Sonnenaufgang mit Blick auf die Skyline und das Flanieren auf der Promenade genossen und anschliessend die riesige Albrook Shopping Mall besuchten. In der Nacht nahmen wir bereits wieder den Bus zurück nach David und verbrachten den Montagmorgen schliesslich noch am Strand in Las Lajas bevor wir – nach zwei Busnächten ziemlich müde – nach Volcán zurückkehrten. Es hatte aber auf alle Fälle gut getan, einfach wieder mal aus dem kleinen Volcán herauszukommen und natürlich bin ich nun vor allem froh, nicht mehr die ganze Zeit für die Prüfung büffeln zu müssen.
Die letzte Woche war speziell und besonders arbeitsintensiv, da eine Gruppe von 80 amerikanischen Jugendlichen einen Einsatz bei unserer Organisation leistete und im (noch nicht fertiggestellten) Kirchgebäude schlief. Das ergab einen ziemlichen Organisationsaufwand und auch die tägliche Koordination der Arbeit diese Woche war herausfordernd. Jeden Tag half uns eine Gruppe von ca. 10 bis 15 Jugendlichen beim Bau des Holzhauses, wobei die Hauptaufgabe, die wir für sie bereithielten darin bestand, mit einem chemischen Farbentferner die Farbe von einer Unmenge alter Holzlatten zu entfernen, damit wir diese anschliessend für die Fassade neu bemalen und wiederverwenden können. Das war ein grosser Aufwand und wir waren froh um die vielen Hände, um diese mühsame Arbeit zu erledigen. Auch das Wetter war diese Woche erstaunlich gut, da es nur an einem Nachmittag so richtig regnete. Ausserdem hat Marco letzte und diese Woche das Dach fertig aufgebaut, so dass wir nun auch im strömenden Regen im Inneren weiterbauen können. Falls wir das nötige Material erhalten, hoffen wir, bis zu unserer Abreise das Haus (ohne Innenleben) fertigstellen zu können. Die nächsten Schritte bestehen nun darin das ganze Fassadenholz fertig zu streichen (wenn ihr die Fotos anschaut, können einige sicher erraten, wer die Farbe ausgewählt hat…;-)), dieses zu montieren und dann nochmals zu streichen, die inneren Wände (mit den Elektroninstallationen) anzubringen und auf die Boden-Holzplatten einen Fliessbeton zu giessen. Dazwischen liegen natürlich noch viele kleine Schritte, die auch Zeit brauchen und so müssen wir ziemlich Gas geben.
Da unsere Zeit hier nun doch schon langsam dem Ende zugeht, ein kurzer Ausblick auf das danach Folgende. Wir werden noch bis zum 23. Juli hier arbeiten, dann erhalten wir Besuch von zwei Freundinnen und eine Woche später auch noch von meiner Schwester Barbara. So werden wir gemeinsam Panamá etwas genauer erkunden und nach deren Abreise (ca. ab dem 8. August) weitere zentralamerikanische Länder bereisen. Unser Rückflug in die Schweiz ist auf den 12. September gebucht (Ankunft in der Schweiz am 13. September am Abend), genau ein Jahr nach unserer Ankunft in Madagaskar.

 

P.S.: Alle aktuellen Fotos sind Natelbilder; entschuldigt die Qualität. Ausserdem stellen wir von den Buben im Centro Arturo Miró keine Aufnahmen ins Internet, auf denen sie deutlich zu erkennen sind.

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