Abschied zum Zweiten

veröffentlicht am 28. Juni 2013

Und schon wieder sind 6 Monate – und damit der zweite Teil unseres Auslandjahres – vorbei… Nun wartet als Zückerchen vor der Rückreise in die Schweiz nur noch eineinhalb Monate Entdecken Zentralamerikas auf uns. Die letzten Wochen vergingen wie im Flug, da wir intensiv am Arbeiten waren und nicht viel Zeit für irgendwelche zusätzlichen Aktivitäten blieb.

 

Ausserdem zogen wir Mitte Juni nochmals um, diesmal in ein Hostal. Diesen Entscheid trafen wir aus verschiedenen Gründen, waren aber froh, wenigstens noch für ein paar Wochen die vielen Vorteile unserer neuen Wohnsituation genossen haben zu können. Die neue Unterkunft war nämlich nicht nur günstiger, sondern auch ideal gelegen. Gemüseladen, Supermarkt und Wäscherei lagen nicht mal 50 Meter entfernt und auch bis zu unserem Arbeitsort brauchten wir nur fünf Minuten mit dem Velo. Dass das Hostal ausserdem nahe beim OM-Haupthaus lag, vereinfachte auch die Kommunikation und machte die Dinge etwas weniger umständlich.

 

Vor drei Wochen fand bereits die „erste“ Abschiedsparty statt, und zwar in unserem halbfertigen Holzhaus. Da ein amerikanisches Paar nach 6 Monaten abreiste, wurden auch wir schon mal vorsorglich verabschiedet. In unserer letzten Woche fand dann aber schliesslich nochmals ein tolles Abschiedsessen statt, das wir (bereits mit unserem Besuch aus der Schweiz) sehr genossen.

Auch in der Kirche, die eng mit unserer Organisation zusammenarbeitet, wurden wir verabschiedet, was sehr bewegend war, auch da wir gleichzeitig mit der ganzen Gemeinde unser Holzhaus einweihten.

 

Beim Bau des Holzhauses konnten wir im letzten Monat grosse (und vor allem deutlich sichtbare) Fortschritte erzielen. Die Wände wurden gestellt, die Fassade angebracht, die Elektrizität verlegt und ich verbrachte viele Tage beim Malen. Besonders die Einpassung und Verbesserung alter Türen und Fenster benötigte viel Zeit und nur mit einigen „Überstunden“ (davon kann man ja bei Freiwilligenarbeit nicht wirklich sprechen…) schafften wir es, das Haus soweit fertig zu stellen, bis uns sowieso wieder Material gefehlt hätte. Die Decke steht leider erst in einem Raum, aber der Rest ist bereit, um gestrichen oder belegt zu werden. Es war für uns eine tolle Erfahrung, ein ganzes Haus von Grund auf zu bauen und vor allem ich lernte handwerklich einiges dazu. Manchmal war es nichtsdestotrotz aber auch ziemlich frustrierend, da kein Geld für Material vorhanden war oder wir mit den Nachteilen und Umständlichkeiten von Gebrauchtmaterialien zu kämpfen hatten. Nun das Haus aber vor uns zu sehen und die letzten Monate Revue passieren zu lassen, erfüllt uns mit Freude und Genugtuung und wir hoffen, dass dieses Haus in Zukunft von grossem Nutzen sein kann.

 

Unser Herz war aber in den letzten Wochen besonders bei unserer Arbeit im Rehabilitationszentrum Arturo Miró und dort fiel es uns auch ausserordentlich schwer, Abschied zu nehmen.

 

Unsere praktische Arbeit bestand dort in den letzten Wochen vor allem in der Herstellung von 32 Holz-Metall-Betten, wobei wir 25 fast komplett fertigstellen konnten. Das Metallschneiden sowie die Holzbearbeitung (Schneiden, Leimen, Schleifen, Holz Lackieren, Metall Streichen etc.) nahm sehr viel Zeit ein und wir waren froh, ab und zu Hilfe von einem anderen Schweizer OM-Mitarbeiter zu erhalten. Ausserdem war es für uns eine grosse Freude zu sehen, wie in den letzten zwei Monaten Spenden, die wir aus der Schweiz für diesen Zweck erhielten, sofort und effizient eingesetzt werden konnten und allein dank dieser Hilfe die Buben in den nächsten Wochen in ihre neuen Unterkünfte einziehen können. Vielen herzlichen Dank auch an dieser Stelle an alle grosszügigen Spender!

 

 

An unserem letzten Arbeitstag im Arturo Miró organisierten die Verantwortlichen überraschenderweise ein richtiges Fest, wobei wir eine der dank den Spendengeldern aus der Schweiz renovierten Unterkünfte für die Buben sowie die 32 Betten, die wir während den letzten Wochen dafür hergestellt hatten, sozusagen einweihten. Ausserdem gab es einige Darbietungen der Buben, die tränenrührend waren, wenn man die Jungs etwas kannte. Wir können eigentlich gar nicht beschreiben, wie emotional dieser ganze letzte Tag für uns dort war und wie sehr uns die von Herzen kommenden Worte und speziellen Geschenke berührten, die wir zum Abschied erhielten. Noch selten war für uns eine Arbeit wohl so genugtuend. Es war einfach eine Freude, Freude machen und Veränderung in den Alltag der Jungs bringen zu können. Wir sind tief berührt und von Herzen dankbar für das, was wir in diesem Rehabilitationszentrum erlebt haben. Die Freundlichkeit und Annahme, die wir dort erlebten (in erster Linie vom Direktor und den Angestellten und als wir das Vertrauen der Jungs gewohnt haben, auch von ihnen) war für uns einzigartig. Gerne dürft ihr nach unserer Rückkehr bei uns privat Fotos anschauen kommen, die wir hier nicht veröffentlichen werden.

 

Wir werden die Jungs also sehr vermissen und viele herzerwärmende, aber auch nachdenklich stimmende Erinnerungen mitnehmen wie zum Beispiel die  immer liebe Begrüssung, wenn wir am Dienstag- und Donnerstagmorgen um 8 Uhr dastanden / das Vertrauen, das uns und unserer Arbeit entgegen gebracht wurde / die festen Umarmungen von Emerson / der scheue Romel, der bei allem sagte „me da pena“ (in etwa „ich schäme mich“), aber doch immer gwunderig zuschaute / der spitzbübische Alciviades, der besonders gerne Marcos Sonnenbrille trug und uns beiden ein selbstgemachtes Perlenarmband mit unseren Namen schenkte / der gesprächige Julio, der uns eine schöne Zeichnung schenkte / die einem immer voller Herzlichkeit begrüssende Psychologin Maribel, die zudem künstlerisch sehr begabt ist / die gut organisierte Sekretärin Xenia, die immer ein Lächeln auf den Lippen hat / der spitzbübische José (wegen seines Aussehens von allen „chino“ genannt), der, nachdem ich ihm sagte, dass wir ihn gern haben, antwortete „mich, wirklich?“ / der ruhige Omar, der als Baby ausgesetzt wurde und alle anderen, meist sehr tragischen Geschichten der Buben… Das Zusammensein mit diesen Jugendlichen hat uns vor Augen geführt, wie sehr Kinder leiden, traumatisiert sind und lebenslange „Schäden“ davon tragen, wenn sie verlassen werden, wenn sie kein Zuhause und keine Eltern kennen, wenn niemand an sie glaubt und sie sich im Stich gelassen fühlen…

 

 

Am 27. Juli verliessen wir schliesslich Volcán (nach einer Wanderung auf dem „Sendero de los Quetzales“, der von Cerro Punta nach Boquete führt) zusammen mit unseren zwei Freundinnen aus der Schweiz und verbringen nun die nächste Woche in und um Panama City. Danach geht für uns zwei  die Reise noch bis Mitte September in ganz Zentralamerika weiter.

Weitere Berichte und Fotos folgen! Hasta pronto!

 

 

 

 

P.S.: Alle Briefe und Päckli, für die wir nie Danke gesagt haben, sind leider nicht angekommen… Die Post ist ziemlich unzuverlässig und langsam.

 

 

 

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