Madagaskar zum Letzten

veröffentlicht am 29. Januar 2013

An unseren letzten Tagen wollten wir es nochmals geniessen, durch die Stadt zu streunen, alle liebgewonnen „Alltagsbilder“ Madagaskars in uns aufzusaugen und uns dabei an alle unsere spannenden Erlebnisse und lustigen Situationen zu erinnern. So quetschten wir uns noch zum letzten Mal in ein Taxi-be – wurden in der Stadt zum letzten Mal von Händlern und Bettlern verfolgt – schlenderten zum letzten Mal durch die Marktstände und schleppten uns die steilen Treppen hinauf – genossen zum letzten Mal ein „pain au chocolat“ und Samosas – wurden zum letzten Mal angestarrt, weil wir weiss sind – ernteten zum letzten Mal ein herzliches Lachen, weil man sich über unseren Gebrauch madagassischer Ausdrücke freute – handelten zum letzten Mal einen Preis aus – genossen zum letzten Mal frische Ananas – sogen zum letzten Mal all die verschiedenen (nicht nur angenehmen) Gerüche des städtischen Treibens in uns auf – … Diese Aufzählung könnte ich noch lange fortsetzen. Es gibt so viele Dinge, die anfangs fremd und ungewöhnlich waren, für uns aber mittlerweile zum Alltag gehören und so viele schöne Eindrücke, die wir nicht so schnell vergessen werden. Gleichzeitig gibt es aber immer noch Vieles, das wir nicht verstehen oder das uns unverständlich erscheint, Vieles, das uns wahrscheinlich mit der Zeit auch nerven oder stören würde und zu Vieles, das schief läuft in diesem Land und das man ändern möchte, sich aber gleichzeitig total ohnmächtig fühlt…

 

 „Eine fremde Kultur ergründen zu wollen, ist wie der Versuch, den Horizont zu erreichen... Irgendwann steht man wieder an dem Punkt, an dem man begonnen hat – doch der Blick zum Horizont ist ein anderer.“ [A. Bokpe]

 

Ausserdem besuchten wir gestern nochmals die Kinder an der „Ecole de Demain“ in Ambodivoanjo, um uns von allen zu verabschieden. Da wir – wie gewohnt – vom Hügel zur Schule hinabstiegen, sichteten uns die Schüler-/innen schon von weitem und so sangen sie bei unserer Ankunft bereits aus voller Kehle das Lied „Jour après jour“, das absolute Lieblingslied von allen, die ich ihnen beigebracht hatte. Da alle Schüler-/innen im Unterricht sassen, konnten wir nicht allzu lange stören und sagten nur kurz „Coucou“. Einige meinten, ich werde nun wieder unterrichten und waren ziemlich enttäuscht als ich ihnen mitteilen musste, dass auch kein „Club d’espagnol“ mehr stattfinden wird… Ja, all die Kinder werden wir wohl nicht so schnell vergessen und besonders die kleine Phamuellah, die bei uns im Haus wohnte, musste ich nochmals lange knuddeln. Leider waren einige der Kinder im Waisenheim seit einigen Tagen krank und geschwächt, aber besonders Irène, eine der Betreuerinnen, machte einen ganz besorgniserregenden Eindruck. Während wir noch mit der Schuldirektorin im Gemeinschaftsraum sassen, brach plötzlich Panik aus, weil Irène in Ohnmacht gefallen war. Was im Folgenden ablief, war das totale Chaos, da plötzlich alle Lehrpersonen herbeieilten und jeder versuchte, irgendetwas zu tun. Da man annimmt, dass die „Vazahas“ immer mehr wissen, fragte man nach unserer Meinung und so hatten wir die Erlaubnis uns einzumischen und Irène zuerst mal in die Bewusstlosenlagerung zu bringen und die vielen Leute wegzuschicken, die Irène völlig unkoordiniert  herumschüttelten. Uns war es wirklich nicht mehr wohl, da wir keine Ahnung hatten, was Irène genau hat und ihr Atem ganz  unregelmässig war und die ganze Hysterie von allen machte es nur noch schlimmer. So wollten sie sie durch das Dorf zu irgendeinem Arzt schleppen, was wir jedoch bei ihrem jetzigen Zustand nicht die beste Idee fanden, geschweige davon, dass eine bewusstlose Person nicht gerade leicht zu tragen ist. Der Arzt konnte aber natürlich nicht herkommen, aber immerhin konnte ein Auto gefunden werden, das uns ins Spital bringen konnte. Komischerweise wollte ausser der Schuldirektorin niemand mitkommen und da man Irène unmöglich bewusstlos alleine hinten im Lieferwagen liegen lassen konnte, stiegen Marco und ich bei ihr ein, um uns während der rumpligen Fahrt zu versichern, dass sie die Seitenlage behielt und ihre Zunge nicht verschluckte. Ihr schwacher Körper war offensichtlich am Kämpfen, hatte aber keine Kraft mehr. Uns war alles andere als wohl zu Mute und wir waren froh nach einer guten halben Stunde im Spital anzukommen, wo wir dachten, Irène schnell vertrauensvoll in die ärztliche Obhut übergeben zu können. Doch weit gefehlt… An herumstehenden Ärzten mangelte es zwar nicht, aber bevor wir zahlten, standen sie nur mit verschränkten Armen neben uns und wir verstanden die Welt nicht mehr… Wie kann man Arzt sein, wenn man jemanden nicht behandeln darf, der nicht (sofort) bezahlen kann? Wir verlangten eine sofortige Infusion, was aber natürlich nicht möglich war, ohne zuerst alle möglichen Formulare ausgefüllt zu haben, im Vorhinein zu bezahlen und schliesslich alles, was es für eine Infusion braucht (inkl. Nadel etc.) in der sich in einem anderen Gebäude befindenden Apotheke selber kaufen zu gehen. So bekam Irène erst mehr als 45 Minuten nach unserer Ankunft im Spital erstmals ärztliche Beachtung… Wir hatten nun definitiv genug und als wir sicher waren, dass sie sich nun um sie kümmerten, nahmen wir das Taxi zurück zur OM-Base.

 

So ist unsere Zeit in Madagaskar nun bereits zu Ende und wir sind sehr dankbar, so viele tolle Dinge erlebt und gelernt zu haben, gerade auch durch alle Herausforderungen. Wir sind gespannt, auf die zweite Hälfte unseres Auslandjahres und hoffen, dass unser Herz und unsere Gedanken bei diesem Wechseln gut nachkommen. Wir freuen uns auf die knappe Woche in der Schweiz, bevor wir am 6. Februar nach Panama fliegen werden und von dort am 10. Februar weiter nach Ecuador, um meinen Zwillingsbruder zu besuchen. Anfang März werden wir dann unsere Arbeit mit OM in Panama beginnen.

Wir werden die Ereignisse in Madagaskar aber sicher weiter verfolgen, denn die Insel steckt in fast jeglicher Hinsicht in einer kritischen Lage und hat eine ungewisse Zukunft vor sich. Viel von dem, was in den Jahren vor der Krise aufgebaut werden konnte, ist seit 2009 wieder bachab gegangen und es tut einem weh zu sehen, wie ein Grossteil der Madagassinnen und Madagassen unter den politischen Machtspielchen, Umweltkatastrophen (die Zyklonsaison beginnt nun gerade wieder) und Korruptheit leidet.

 

Zum Abschluss präsentieren wir euch nochmals einige Fakten über diese Insel, angereichert mit einer persönlichen Statistik (z.T. nur approximativ natürlich…;-)).

 

Madagaskar und Madagaskar-Erfahrungen in Zahlen…


-       9999                    Mal wurde Elisabeth von Mücken oder Flöhen gestochen/gebissen

-       9                         Mal wurde Marco von einer Mücke gestochen

-       18                       Dialekte werden in Madagaskar gesprochen

-       120                      Tage genossen meine Füsse die Freiheit in Flipflops

-       2400                    Ariary ist der Wechselkurs zum Schweizerfranken

-       2000                    Ariary zahlt man für 10 köstliche Samosas

-       120                      Mal habe ich mit Eimer und Schöpfbecher geduscht

-       30                        Ananas haben wir in den letzten Monaten mindestens verspiesen

-       85                        Prozent der Flora und Fauna in Madagaskar sind endemisch, d.h. kommen nur hier vor

-       587'000                Quadratkilometer umfasst die Fläche Madagaskars

-       30                        Lemurenarten bevölkern die Insel

-       3                         Stunden braucht man bei Stau gut und gerne für ca. 20 Kilometer Fahrt quer durch die Stadt

-       90                        Prozent machte die Waldfläche auf Madagaskar einst aus

-       10                        Prozent (eher weniger) der Waldfläche ist heute noch vorhanden

-       120‘000                Hektaren Wald werden jährlich gerodet

-       30                        Jahre (ungefähr) dauert es bei dieser Entwicklung noch, bis Madagaskar ganz waldfrei ist

-       120                      Abende, an denen uns die Waisenkinder „Bonne nuit“ wünschten ;-)

-       4500                     Kilometer legten wir während unserer Reise im Januar etwa zurück

-       101                      Kakerlaken traf das Los der Zermantschung

-       1                          Kakerlake fanden wir in unserem Glacé (wenigstens bereits gefriergetrocknet)

-       3000                    Schmetterlingsarten sind in Madagaskar zu finden

-       14                        Mal so gross wie die Schweiz ist Madagaskar

-       6                          Prozent der Fläche Madagaskars sind landwirtschaftlich nutzbar

-       23                        Stunden verbrachten wir im Zug von Manakara nach Fianarantsoa (nur ca. 160 km)

-       40                        Prozent der gesamten Ackerfläche wird mit Reis bepflanzt

-       109                      Säugetierarten findet man in Madagaskar, davon fast alle endemisch

-       300                      Kilometer beträgt der Abstand Madagaskars zur afrikanischen Küste

-       1                          Madagaskars Platz auf der Forbes Liste der schlechtesten Wirtschaftsländer der Welt

-       3                          Mal pro Tag wird hier normalerweise Reis gegessen

-       10‘000                  Kilometer, die wir ungefähr fliegen werden, um morgen in die Schweiz zurückzukehren

 

Und zum Schluss noch zwei interessante Links:

„Operation geplünderter Wald“: sehr spannender (und besorgniserregender) Bericht über die Holzmafia: http://www.reporter-forum.de/index.php?id=117&tx_rfartikel_pi1[showUid]=438&cHash=20b63b856d128c7bf2af9d794438fe06

Eine eindrückliche Reportage (auf Französisch) aus dem Jahr 2010 über Père Pedro, ein argentinischer Pater, den hier überall kennt. Was er für die Armen hier in den letzten 20 Jahren geleistet hat, ist unglaublich und es scheint von Bestand zu sein.

http://videos.tf1.fr/reportages/le-combat-du-pere-pedro-14-ans-apres-6091552.html

 

  • Apr 01 2016 10:17 PMmatt: http://bbgyegdMvF2o9fvMa.com
  • Mar 31 2016 6:32 PMjohn: http://sv4bzdtybDgbK2iOs.com
  • Mar 19 2016 2:49 AMHyman: Whereabouts are you from?
  • Mar 19 2016 2:49 AMWillian: I'm on work experience
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  • Mar 19 2016 2:49 AMAlphonso: We've got a joint account
  • Mar 19 2016 2:49 AMGalen: How much will it cost to send this letter to ?
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  • Mar 18 2016 4:23 PMDenis: I sing in a choir
  • Mar 18 2016 4:23 PMKelly: Do you like it here?
  • Mar 18 2016 4:23 PMBrooke: A staff restaurant
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  • Mar 18 2016 4:23 PMBenjamin: We're at university together
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  • Mar 18 2016 4:23 PMJamaal: I don't know what I want to do after university
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Reisejournal (Teil 2: Der Norden)

 veröffentlicht am 20. Januar 2013

17. und 18. Januar: Tana – Ankarafantsika-Nationalpark

Nach dem kurzen Zwischenhalt in Tana begann nun die zweite Etappe unserer Madagaskarreise: Der Norden. Ich fühlte mich an diesem Morgen nicht gerade nach einer langen Autofahrt, da ich die Nacht hauptsächlich auf dem WC verbracht hatte. Doch – Bioflorina sei Dank – verlief die ca. 7-stündige Fahrt bis zum Ankarafantsika-Nationalpark relativ problemlos. Nur die feuchte Hitze macht uns immer noch zu schaffen… Das Mittagessen nahmen wir in Maevatanana ein, der angeblich heisseste Ort Madagaskars (was mich nicht erstaunen würde). Diese feuchte Hitze an vielen Orten lähmt einen wirklich ziemlich und man freut sich schon fast auf die Schweizer Winterkälte…;-). Im Ankarafantsika-NP – besteht zu einem grossen Teil aus dichten und trockenen Wäldern und beherbergt mehrere vom Sterben bedrohte Tierarten – machten wir vor dem Nachtessen gleich noch einen kurzen (2-stündigen) Circuit um einen See herum, der uns jedoch nicht gerade aus den Socken haute. Zu Marcos Freude sahen wir wenigstens eine etwas grössere Schlange (giftige Schlangen gibt es in Madagaskar nicht). Nach dem Nachtessen halfen wir einer alleinreisenden Engländerin, den Weg zurück zu unseren Zimmern zu finden, was mir ohne Marco ehrlich gesagt auch schwer gefallen und etwas unheimlich gewesen wäre… Um etwas zu sparen nehmen wir eigentlich nur noch Zimmer oder Bungalows mit Gemeinschafts-Kaltwasserdusche; warmes Wasser braucht man bei diesen Temperaturen wirklich nicht!

Am nächsten Tag liefen wir am Morgen zu einem Canyon, der vor allem durch seine Sandformationen und Farben beeindruckte. Der Weg dorthin führte zuerst durch den Wald, wobei jedoch so viele Insekten wie noch nie um uns herumschwirrten und ab und zu genüsslich zubissen (trotz Anti-Brumm!), dass es uns fast die Nerven raubte. Abgesehen von der schwülen Luft (der Schweiss läuft einem schon nach ein paar Schritten runter) war der nur ca. 1-stündige Weg zum Canyon überhaupt nicht anstrengend. So stiegen wir auch noch in den Canyon hinab, um die speziellen Sandformationen und Farbschichten aus der Nähe zu bestaunen.

 

Am Nachmittag fuhren wir weiter nördlich bis nach Antsohihy, wo wir nur die Nacht verbrachten, da sonst nichts Interessantes zu sehen ist. Allgemein gibt es zwischen Tana und Diego ganz im Norden ausser der abwechslungsreichen Landschaft nicht viel zu sehen, was im Süden ganz anders war. Man findet auch nur wenige Restaurants, die „Vazaha-Food“ (d.h. als Beilage etwas anderes als Reis) anbieten, was für ein paar Mahlzeiten völlig okay ist (und vor allem unglaublich günstig), aber auf die Dauer doch nicht unser Ding…

 

 

19. Januar: Antsohihy – Ankarana-Nationalpark

Wie fast immer bestiegen wir morgens um 7.00 wieder das Auto, diesmal um bis zum Ankarana-Nationalpark (100 km unterhalb von Diego Suarez) zu fahren. Die Landschaftsszenerie wechselte alle paar Stunden, am Schönsten war der Abschnitt mit sattgrünem Wald und vielen über die Hügel verstreuten Palmen mit Sicht auf die dahinterliegenden Berge (wahrscheinlich das Maromokotro-Massiv, wo sich auch der höchste Berg Madagaskars befindet). Im Ankarana-Nationalpark angekommen checkten wir im Parkbüro zuerst die Circuit-Möglichkeiten für den nächsten Tag aus (über die Preise für den obligatorischen Guide werde ich gar nicht mehr sprechen…) und waren etwas enttäuscht, dass ein Grossteil von dem, was wir machen wollten aufgrund der Regensaison (da geht’s ums Prinzip, auch wenn der Regen dieses Jahr noch gar nicht richtig angefangen hat) nicht zugänglich ist. So sagten wir dem Guide, dass wir einfach alle möglichen Circuit kombinieren möchten. Er meinte, dass sei schon etwas viel und dauere wahrscheinlich um die 10 Stunden, da müssten wir dann aufgrund der Hitze mindestens 4 Liter Wasser pro Person mitnehmen. Marco und ich schauten uns also die Kilometer- und Höhenangaben nochmals genau an und berechneten, dass wir maximal 7 Stunden brauchen werden, was der Guide offensichtlich belustigend fand… Unsere Antwort: Wir machen diese Circuits morgen et on verra… ;-) Übrigens werden wir sicher nicht so viel Wasser mitschleppen, denn der Guide selbst wird mit grosser Wahrscheinlichkeit nur mit einem winzigen Rucksäckchen auftauchen, wie immer…

Die Unterkunft, die wir danach gleich neben dem Parkeingang belegten, liess bezüglich Preis-Leistungs-Verhältnis nichts zu wünschen übrig. Wo zahlt man schon nur CHF 10.- für einen tollen Bungalow (dass man das WC mit dem Kübel spülen, die Dusche nur Kaltwasser hat und Elektrizität nur ein paar Stunden am Abend vorhanden ist, ist für uns sowieso Standard geworden) an ruhiger Lage und herzlichem Personal (leider gegen Erwarten in Madagaskar nicht Standard)? So genossen wir den Rest des Nachmittags einfach vor unserem Bungalow mit Lesen. Ausserdem gab es noch einige andere Vazahas zu beobachten…;-) Zum Abendessen gab’s ein Standardmenu, das jedoch sehr lecker war (v.a. die Krebse)!

 

 

20. Januar: Ankarana-Nationalpark – Antsiranana (Diego Suarez)

Der Ankarana-Nationalpark dehnt sich auf gut 18 Hektaren aus und besteht zu grossen Teilen aus einem Kalkmassiv. Besonders an diesem Park sind die „Tsingy“, Canyons, Grotten aus Stalaktiten und Stalagmiten und mit Fledermäusen und Krokodilen. Das Höhlensystem im Park ist das grösste unterirdische Netz Afrikas. Noch kurz ein Wort zu den Tsingy, da es sich um eine geologische Besonderheit Madagaskars handelt. Es handelt sich dabei um aus scharfkantigen Strukturen bestehende Karstgebiete (oder lateritische Erdschicht) unter denen von Wasser ausgewaschene Höhlen und kilometerlange Gänge, unterirdische Seen und Flussläufe verlaufen. Der Name Tsingy bedeutet im Madagassischen „auf den Zehenspitzen gehen“ oder „wo man nicht barfuß laufen kann“, was für diese zum Teil messerscharfen Gesteinsformationen eine treffende Bezeichnung ist. Am bekanntesten sind die Tsingy von Bemaraha im Westen der Insel, wo man aber in der Regenzeit nicht  hingelangt. Wir besuchten also heute die Tsingy von Ankarana (Karstgebiet) und in einigen Tagen noch die Roten Tsingy in der Nähe von Diego Suarez.

Wir starteten unsere Wanderung um 6.00 morgens. Wer jetzt aber denkt, dass es zu dieser Zeit noch schön frisch ist, liegt falsch. Wir waren froh, dass fast die gesamte Route durch den schönen Wald führt, denn so extrem wie bei dieser Wanderung lief uns der Schweiss noch nie runter, wie Wasser… Eine erste Schlaufe führte uns zu einer Tsingy-Landschaft, wirklich spezielle Steinsformationen, auf denen man aber nicht auszurutschen wünscht oder wie es unser Guide formulierte „das ideale Übungsgebiet für Fakire“. Weiter ging‘s zum „Lac vert“, einem in einer Schlucht versenkten See, der von steilen Felswänden und Tsingys umgeben ist. Nachdem wir eine Ananas gegessen hatten machten wir uns auf den Rückweg, wobei wir weitere Schlaufen einlegten. Die erste führte uns aus dem Wald heraus über ein weiteres Tsingy-„Feld“, durch eine (extrem lehmige, rutschige) Grotte und schliesslich über eine Hängebrücke, die wunderbare Sicht auf die Tsingy bot. Auf dem weiteren Rückweg als auch schon auf dem Hinweg „stolperten“ wir (ohne überhaupt darauf zu achten) auf viele Tiere: Schlangen, verschiedenste Echsen und Chamäleons, Vögel und viele Lemuren aus nächster Nähe. Nach 6.5 Stunden waren wir beim Parkeingang zurück, nachdem wir die letzten 100 Meter mit unserem Guide noch einen Sprint hingelegt haben…;-) Beim anschliessenden Bier konnte er dann  unumwunden zugeben, dass er mit uns nun gerade seinen persönlichen Rekord für diese Route gebrochen hat.
Nach einer erfrischenden Kaltwasserdusche fuhren wir nach Diego, die nördlichste Stadt Madagaskars, die eigentlich nur noch 108 km von Ankarana entfernt liegt. Trotzdem brauchten wir aufgrund der vielen Schlaglöcher in der Strasse fast drei Stunden, fanden dann aber schnell eine gute Unterkunft und eine feine Pizza zum Nachtessen. Morgen werden wir es gemütlich nehmen und etwas in der Stadt und am Meer entlang flanieren.

 

21. Januar: Diego

Diesen Tag nahmen wir mal ganz gelassen und spazierten mehr oder weniger den ganzen Tag in Diego (auch Antsiranana genannt und mit ca. 100‘000 Einwohnern die grösste Stadt im Norden Madagaskars) herum. Nicht dass diese Stadt so viel zu  bieten hätte, denn eigentlich ist es nur die Hauptstrasse (Rue de Colbert), die interessant ist, da sich dort praktisch alle Läden und Restaurants befinden. Diese steht im Kontrast zum Rest der Stadt, wo das „normale“ madagassische Leben mit Markt etc. abläuft. Auffällig ist, dass man im Norden immer mal wieder Moscheen sieht und es viele indisch- und arabischstämmige Leute gibt. Wie normale Touristen begutachteten wir also die Souvenir-Läden, von denen wir noch nie so exklusive gesehen hatten wie hier und deren Preise folglich eindeutig über unserem Budget lagen. Nur den Einkauf von Vanille erledigten wir nun endlich mal, da wir hier die gesuchte Qualität fanden. Die „Vanille-Küste“ liegt ja luftlinienmässig nicht weit südöstlich von Diego, trotzdem muss man sehr aufpassen, was man zu welchem Preis wo kauft. Hier gibt es unglaubliche und zum Teil wirklich unerklärliche Unterschiede (ausser der Grund, dass natürlich jemand viel Geld verdienen möchte). Wir hoffen nun auf alle Fälle, die „beste Vanille“ gefunden zu haben und haben genug, um auch zu Hause zu verteilen.;-) Riechen tun die Schoten auf alle Fälle sehr fein und auch die Vanille-Gerichte, die wir bisher in Madagaskar gekostet haben, waren sehr gut; man kann Vanille sehr vielfältig verwenden.

Da die Läden von 12.00 bis 15.00 schliessen (macht bei dieser Hitze allemal Sinn), überbrückten wir diese Zeit mit einer Tuk-Tuk-Stadttour. Hier sieht man nicht mehr die üblichen Pousse-Pousse, sondern die typischen „Made-in-India“-Gefährte, die mit ihrer grellen gelben Farbe der Stadt ein einzigartiges Flair verleihen. So holperten wir nach dem Mittagessen für zwei Stunden durch  und um die Stadt, wobei der Fahrer keine Ecke ausliess. Bei unserer Rückkehr im Stadtzentrum hatte die Gelateria leider immer noch nicht geöffnet (so richtig gutes Glacé ist in Madagaskar eine Seltenheit) und so spazierten wir zurück zur Unterkunft, unsere erste mit Klimaanlage; wie herrlich! Für das Nachtessen fanden wir ein italienisches Restaurant, das wirklich von einem Italiener geführt war und der uns hausgemachte Pasta à la Italianità auftischte; wohl ebenfalls eine ziemliche Seltenheit in Madagaskar.

 

22. Januar: Nationalpark Montagne d’Ambre

Dieser Tag fing nicht wie gewünscht an: Die Bank wollte wiedermal (nach langem Warten) kein Geld rausrücken und Marco musste sich zudem gegen all die einheimischen Vordränger(-innen) wehren, die dann jeweils noch stinkfreche Antworten parat hatten. Leider hatten wir bisher allgemein die Erfahrung gemacht, dass es meistens die hier lebenden Ausländer sind, die uns am offensten und freundlichsten begegnen, während viele Einheimische schnell nicht mehr dein Freund sind, wenn man nicht nach ihrer Pfeife tanzt…

Obwohl das „Geldproblem“ nur halb gelöst war, begannen wir gegen 10.00 unsere Wanderung im Nationalpark Montagne d’Ambre. In diesem Gebiet herrscht ein eigenes feucht-tropisches Mikroklima, das eine Art Frischehafen in der erstickenden Hitze der Region bietet. Der Park, der ausserdem mehrere Wasserfälle und Kraterseen und eine vielfältige Flora und Fauna bietet (einige Arten sind nirgends sonst auf der Welt zu finden), könnte also ziemlich interessant sein, wenn zu den zahlreichen Bewohnern dieses Waldes nicht auch Tausende von Mücken und Fliegen (verschiedener Art natürlich) gehörten, die in der momentanen Regenzeit die ganze Fläche einzunehmen scheinen. In den letzten Monaten hatten wir ja schon viele Erfahrungen mit Insekten gemacht und besonders meine Füsse tragen noch bleibende Spuren von diesen Begegnungen. Doch was wir in diesem Park erlebten, übertraf alles und brachte uns sogar so weit, die Wanderung nach zwei Stunden abzubrechen. Es war unmöglich, sich die wunderschönen Orchideen, das nur 2 cm grosse Chamäleon oder das Chamäleon mit blauer Nase in Ruhe anzuschauen… man war nämlich nonstop damit beschäftigt, sich die Mücken und Stechfliegen vom Leib zu halten, die einem wortwörtlich zu hunderten umschwärmten. Man mag es glauben oder nicht, aber obwohl ich innerhalb einer Stunde fast die ganze Flasche Anti-Insektenspray versprühte, verwandelten sich in derselben Zeit meine Waden und Fussknöchel in eine elend beissende Buckellandschaft mit einem Stich nach dem anderen. Sogar Marco, der bisher insektenimmun war, wurde nicht verschont und auch unser Guide kratzte sich bereits blutig (was wir noch zu vermeiden versuchten).

So fuhren wir ziemlich „lädiert“ bereits nach dem Mittag nach Ramena, einem Fischerdorf ca. 18 km von Diego entfernt, wo sich der einzige leicht zugängliche Strand bei Diego befindet. Nachdem wir eine tolle Unterkunft gefunden hatten, um die letzten vier Tage im Norden zu verbringen und gleich in den Pool springen wollten (bisher unsere erste Unterkunft, die diesen Luxus bot!), merkte Marco, dass er seine Badehose bei unserem Zwischenhalt in Tana vergessen hatte… So mussten wir halt nochmals zurück in die Stadt fahren, um eine neue zu kaufen, was uns in der nun geöffneten Gelateria dafür in den Genuss feinster hausgemachter Glacé brachte.

 

23. Januar: Ramena – Mer d’Emeraude

An diesem Tag ging’s wiedermal auf die See und es war mir recht, dass das Segelboot etwas grösser als eine Piroge war, wenn natürlich trotzdem ausschliesslich aus Holz bestehend und normalerweise zum Fischen verwendet. Das Mer d’Emeraude (Smaragdmeer) trägt diesen Namen, da es aussergewöhnlich schön türkisblau schimmert, was durch die an diesen Stellen relativ geringe Wassertiefe und den weisssandigen Untergrund begründet ist. Etwa eine halbe Stunde mit dem Boot vom Strand von Ramena entfernt erblickt man die türkisblaue Meeresfläche und fährt nochmals eine halbe Stunde darüber bis zu einer kleinen Insel, wo wir den Tag verbrachten. Natürlich kamen nochmals etwa vier Boote mit Touristen an (was uns fast überraschte, da wir an vielen Orten immer so alleine waren), aber da wir die ersten waren, konnten wir uns die schönste Palme als Schattenplatz sichern.;-) Es war wiedermal unglaublich heiss und trotz des Windes wagte man es nicht, sich an die Sonne zu legen, da man schon beim Baden im klaren Meereswasser genug davon abbekam. Unsere Bootsleute fuhren gleich nochmals hinaus, um unser Mittagessen zu fischen, das zusammen mit Kokosnuss-Reis, gebratenen Süsskartoffeln und Schoggi-Bananen zum Dessert vortrefflich schmeckte. Gegessen haben wir in Madagaskar bis auf ganz wenige Ausnahmen wirklich immer super! Nach dem Mittagessen genossen wir nochmals zwei Stunden am Strand und im Meer bis es wieder zurück nach Ramena ging, was sich als abenteuerlicher herausstellte als gedacht. Der Wind blies mittlerweile ziemlich kräftig, Wolken waren aufgezogen und unser Boot kam mir mittlerweile doch wie eine kleine Nussschale vor, dermassen schlugen wir auf den Wellen auf und wurden hin- und hergeschaukelt. Schlimmer als das war aber, dass wir konstant mit Meereswasser geduscht wurden, richtig in Kübeln, so dass wir sehr bald völlig durchnässt waren und uns nur noch darauf konzentrierten, den Mund und die Augen bei der nächsten Welle geschlossen zu halten. Aufgrund des Windes wurde es auch ziemlich kalt so durchnässt wie wir waren und wir waren froh, in Ramena anzukommen und wir nahmen in unserer Unterkunft seit Langem sogar gerne wiedermal eine warme Dusche.

 

24. Januar: Trois Baies

Heute wollten wir zu Fuss etwas die Umgebung und die verschiedenen Buchten erkunden. Es gibt nämlich nach Ramena mehrere wunderschöne Buchten, bei denen im Gegensatz zum Strand im Dorf der Sand weiss und das Wasser türkisblau ist. Drei dieser Buchten tragen einen Namen und sind zusammen unter dem Begriff „Les trois baies“ geläufig. Den Genuss dieser schönen Buchten mussten wir uns aber hart verdienen. Was wir uns als einen gemütlichen Spaziergang am Strand entlang vorgestellt hatten, wurde zu einer Art „Durststrecke“. Der erste Teil am Strand von Ramena entlang war noch angenehm, da man im Wasser laufen konnte und einen der Wind erfrischte. Danach begann die „Militärzone“ bzw. was noch an Überresten davon übrig war, wo man aber für die Durchquerung trotzdem ein Eintrittsgeld bezahlen musste. Der Weg führte danach für eine Weile nicht mehr am Meer entlang, sondern bestand aus einer Sandpiste, auf der man sich trotz Flipflops fast die Füsse verbrannte und fast nicht auf den nächsten schattenspendenden Strauch oder Baum warten konnte. Dazu kam die Tatsache, dass wir dieses Unterfangen leichtsinnigerweise um die Mittagszeit unternommen hatten, was mich schliesslich dazu brachte, sogar den Regenschirm als Sonnenschutz aufzuspannen. Als wir nach einer guten Stunde (kam uns aber schon viel länger vor) schon fast wieder umkehren wollten, da wir nicht Wasservorräte für zwei durstige Kamele mitgeschleppt haben, erblickten wir endlich die erste Bucht. Nach einer kurzen Pause liefen wir weiter zur nächsten Bucht, welche wie die erste mehr als „ferienkatalog-würdig“ war und wo wir im türkisblauen Wasser badeten. Aufgrund der zwischendurch auftretenden kalten Wasserströme war es sogar eine schöne Erfrischung und nicht zu vergessen hatten wir auch hier die ganze Bucht für uns alleine (abgesehen von ein paar einheimischen Kindern, die irgendwann auftauchten, um auf Schildkrötenschalen den Sandabhang hinunter zu „schlitteln“). Beim Rückweg wussten wir wenigstens, was auf uns zukam und mit dem gekühlten Panaché vor Augen, das wir in Ramena herunterleeren werden können und dem voraussichtlichen Sprung ins Pool ging es auch schon etwas leichter…;-)

 

25. Januar: Geniessen…

Für heute war eigentlich gar kein Programm angesagt, doch wir mussten am Morgen nach Diego fahren, da wir nun auch das bekannte Problem haben, im Ausland plötzlich nicht mehr an sein Geld zu kommen. Marcos Kreditkarte streikte beim Geldabheben, da nur ein bestimmter Prozentsatz des Geldes so bezogen werden darf und wir dies bereits überschritten hatten, da man eigentlich nirgends mit der Karte bezahlen kann. Meine Maestro-Karte nützte hier wie an den meisten Orten Madagaskars nichts, ausser die mauritische Bank wäre hier präsent. Wir versuchten also in den Banken nochmals alles Mögliche und machten uns nach Misserfolgen auf die Suche nach einem Geschäft, das bereit ist, uns Bargeld auszugeben, wenn Marco den Betrag mit der Karte überweist. Nach einigem Herumfragen (nur die wenigsten haben mehr als ein paar Franken Bargeld in der Kasse) bekamen wir im Duty-Free-Shop 150 Euro, die uns ein hier lebender Franzose netterweise zu einem besseren Kurs in Ariary umtauschte als es die Bank getan hätte. Da wir nun wieder liquid waren, liessen wir uns einen zweiten Besuch in der Gelateria auch morgens um 10.00 nicht entgehen (bei 33°C spielt die Zeit ja keine Rolle) und fuhren anschliessend mit dem Auto bis zur Sakalava-Bucht, die dritte der „Trois Baies“, zu der wir es gestern aber nicht mehr zu Fuss geschafft hatten. Diese Bucht ist, was das klare, türkisblaue Wasser und den weissen Sand betrifft (ja, ich könnte noch oft schwärmen!) mit den anderen identisch, jedoch etwas grösser. Wir waren auch diesmal alleine und liessen uns nach einem Picknick im Schatten der Bäume natürlich auch das Baden nicht entgehen. Den restlichen Nachmittag liessen wir am Pool im Hotel ausklingen, wo man sich etwas besser vor der gleissenden Sonne schützen konnte.

Dies war unser letzte, eigentliche Reisetag, da wir die nächsten zwei Tage hauptsächlich damit verbringen werden, nach Tana zurückzufahren und nur noch ein paar Kilometer südlich von Diego einen „Touristenhalt“ einlegen werden, um die „Tsingy Rouges“ zu besichtigen.

 

26. und 27. Januar: Rückreise nach Tana

Wir verliessen Ramena früh morgens, um an diesem Tag bereits einen guten Teil der kurvigen 1200 km nach Tana zurückzulegen. Ausserdem wollten wir ja noch bei den Tsingy Rouges vorbei, die sich ca. 100 km südlich von Diego befinden, was uns noch ca. 3 zusätzliche Stunden kostete. Diese lohnten sich aber allemal, denn die Tsingy mit ihrer speziellen Farbe waren – obwohl nicht so gross und spitzig – auf alle Fälle einen Besuch wert. Allzu lange zogen wir unseren Tsingy-Rundgang (bei dem wir auch noch in einen kleinen Canyon hinabstiegen) aber nicht hin, da es bereits unerträglich heiss war. So ging es weiter auf der Schlaglochstrasse, die dem Fahrer einiges an Konzentration abforderte. Allgemein muss man beim Fahren hier ständig auf der Hut sein, da alle paar Kilometer (in Dörfern alle paar Meter) Hühner, Hunde (einer musste leider daran glauben…), Ziegen und am gefährlichsten, ganze Zebu-Herden plötzlich hinter einer Kurve auftauchen können. Ganz zu schweigen von den vielen Leuten, die am Strassenrand sitzen oder entlanglaufen…

Die Nacht verbrachten wir schliesslich in Port-Bergé, einem kleinen Ort, wo es natürlich kein „Vazaha-Restaurant“ gibt (womit ich nicht besonders exklusive Restaurants meine, sondern einfach solche, in denen es auch was anderes als Reis als Beilage gibt) und wir unser Nachtessen deshalb wiedermal in einem Hotely einnahmen, das jedoch mehr einer Lagerhalle glich. Die Auswahl in den Hotelys ist immer sehr klein und beinhaltet immer Reis, aber die zwei grossen Vorteile sind, dass man das Essen nach einer halben Minute auf dem Tisch hat (hat ja schon den ganzen Tag geköchelt) und es espottbillig ist. Das Getränk dazu ist sogar gratis, wobei man erwähnen muss, dass es sich natürlich um Reiswasser (im Reistopf angebranntes Wasser) handelt, das Marco jeweils tapfer trinkt, während ich dem Ruf der heiklen Vazaha gerecht werde…;-)

Auch am nächsten Tag ging’s früh weiter und wir zogen wiederum an vielen Palmhütten, kilometerlangem „Nichts“, Kat kauenden Männer (diese Droge ist hier im Norden allgegenwärtig und fast jeder Mann läuft mit einem Büschel unter dem Arm herum) und schönen Landschaften vorbei und überquerten viele Brücken (unter anderem die längste in Madagaskar). Maurice und Marco wechselten sich beim Fahren ab und so brachten wir trotz der vielen Kurven und Schlaglöcher relativ schnell viele Kilometer hinter uns. An einer kurvigen Stelle in den wunderschönen, grünen Hügeln trafen wir auf die „Überreste“ eines schlimmen Unfalls, der sich offensichtlich erst vor wenigen Stunden ergeben hatte. Die total zusammengestauchten Autos liessen Schlimmes erahnen und wir waren einmal mehr dankbar, dass uns nie etwas zugestossen war. Um 15.00 Uhr trafen wir bereits in Tana ein und waren froh, noch etwas Zeit zum Ausruhen, Auspacken und Sortieren zu haben, denn in den nächsten zwei Tagen – unsere letzten! – wollen wir noch einiges erledigen.

 

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Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen: Reisejournal (Teil 1: Der Süden)

veröffentlicht  am 3. Januar 2013

Nach einer tollen Silvesterfeier und einem lebendigen Familienfest am 1. Januar auf der OM-Base (die OM-Feldleiterin hat 9 Geschwister, die fast alle mit ihren Familien auftauchten), starteten wir am 2. Januar unsere Madagaskarreise. Dies ist der Abschluss unseres Madagaskaraufenthaltes und wir freuen uns darauf, nach unserem Arbeitseinsatz nun auch noch das Reisen geniessen zu dürfen, was man in einem Land wie Madagaskar auf keinen Fall verpassen darf. Wir versuchen, euch alle paar Tage auf dem Laufenden zu halten… Die Fotos werden jeweils etwas später nachgeliefert und sind im Ordner "Mada_Sueden" und für den zweiten Teil der Reise "Mada_Norden" zu finden.


2. Januar: Tana - Antsirabe - Ambositra - Fianarantsoa

Wir werden um 8.00 von unserem Fahrer abgeholt und fahren an diesem Tag über Antsirabe und Ambositra direkt nach Fianarantsoa. Eine andere Strasse gibt es ja nicht, wenn man in den Süden will. Es wird uns aber nichts ausmachen, auf der Rückreise die wunderschöne Hügellandschaft mit Flüssen und Bächen und (jetzt in der Regenzeit) kitschig knallgrünen Reisfeldern nochmals zu sehen und in uns aufzusaugen. Die Fahrt war trotz den unzähligen Kurven und den vielen Kilometern (500 km) sehr angenehm und wir sind eigentlich ganz froh, nicht in der Hauptreisezeit unterwegs zu sein, denn es waren (ausser den Taxi-Brousse) praktisch keine Fahrzeuge unterwegs, die Unterkünfte müssen nicht vorreserviert werden, die Preise sind allgemein bei Vielem tiefer und so schön grün wie in der Regenzeit ist die Landschaft nie. Von Regen war an diesem ersten Tag aber weit und breit keine Spur, strahlender Sonnenschein erfreute uns… Am Abend genossen wir in unserer ausgestorbenen Unterkunft dank Stromausfall ein Candle-Light-Dinner. Auf jeden Fall ein gelungener Start unserer Reise.


3. Januar (und einige Abschweifungen): Tee und Wein

Diesen Tag verbrachten wir in Fianarantsoa („Ort, wo man gut lernt“) und wir lernten an diesem Tag tatsächlich einiges… Wiederum war das Wetter einfach herrlich und als wir um 7.00 morgens nach Sahambavy fuhren (ca. 10 km östlich von Fianar), war die Landschaft im Morgenlicht einfach unübertrefflich schön. Die Reisfelder (hier oft auch auf Terrassen angelegt) glänzten einmal mehr im herrlichsten Grün, schöne Bäche (kennen wir von Tana definitiv nicht!) schlängelten sich durch die Landschaft und die Leute, die auf den Feldern am Arbeiten waren, ihre Waren auf dem Kopf transportierten oder einfach nur am Strassenrand sassen, machten das Ganze wie zu einem lebendigen Gemälde. Unterwegs waren wir aber eigentlich zu den Teeplantagen in Sahambavy, die wir als eifrige Tee-Trinker nicht auslassen wollten. Es handelt sich um die einzige Teefabrik bzw. Teeregion in ganz Madagaskar. Die Teepflanzungen gehören zu zwei Dritteln dem betreibenden Unternehmen, zu einem Drittel Kleinbauern. Auf alle Fälle existieren durch die Teeproduktion viele wertvolle Arbeitsstellen. Nach einer (eher halbpatzigen) Führung durch die Fabrik mit veralteten Maschinen (die aber ihren Zweck erfüllen) und einer Degustation des dort hergestellten Schwarz- und Grüntees (ausgzeichnet!), durften wir die Teeplantagen auf eigene Faust erkunden. Nichts Grossartiges erwartend, waren wir einmal mehr beeindruckt von der wunderschönen Szenerie, die sich uns bot. Mehr als 300 Hektaren Teepflanzungen erstreckten sich über die Hügel und wir wären gerne noch lange darin herumspaziert, wenn wir nicht beide allergisch auf diese Pflanzen reagiert hätten…

So fuhren wir zurück in die Stadt, nicht ohne auf dem Weg noch einmal den verschiedenen Etappen der Reisproduktion zugeschaut zu haben. Verzeiht mir, wenn ich mich in den folgenden Zeilen nochmals ausschliesslich dem Thema Reis widme, aber es handelt sich einfach um einen nicht wegdenkbaren Teil Madagaskars, womit man täglich in irgendeiner Art und Weise konfrontiert ist. Wie schon mal erwähnt essen die Madagassen pro Kopf am meisten Reis von allen Erdbewohnern (400-500 Gramm pro Tag, was bei einer Bevölkerung von 20 Mio. Personen einem Jahresbedarf von 3.6 Millionen Tonnen geschältem Reis entspricht!). Diese Menge scheint viel zu sein, reicht aber nur knapp zum Sattwerden, weil zusätzlich nicht viel gegessen wird. Ausserdem führt die einseitige, allein auf den Reis ausgerichtete Ernährung zu Mangelerscheinungen, was einem vor Augen geführt wird, wenn man angelächelt wird… Neben dem schlechten Zustand der Zähne sind aber auch die häufig auftretenden Erkrankungen der Atemwege dadurch bedingt. Da der Weltmarktpreis und somit auch der lokale Reispreis in Madagaskar in den letzten Jahren gestiegen sind, sind viele Madagassen gezwungen, Reis manchmal durch Mais oder Maniok zu ersetzen, was viele nur ungern tun, wie wir hier immer wieder festgestellt haben (Devise: Besteht eine Mahlzeit nicht hauptsächlich aus Reis, hat man noch gar nicht gegessen.) Während Madagaskar in den 70er-Jahren noch zu den Exportländern von Reis gehörte, muss der Staat heute grosse Mengen Reis zukaufen, um den enormen Bedarf zu decken. Dies, obwohl rund 40% der gesamten verfügbaren Ackerfläche mit Reis bepflanzt wird. Im Osten wird Bergreis nach Brandrodung (eigentlich verboten) gepflanzt und auf den Reisterrassen des Hochlandes Nassreis. Der Nassreisanbau, wie er eben z.B. im Betsileoland, wo wir momentan sind, betrieben wird, wirft zwar einen höheren Ertrag ab, ist aber auch aufwändiger. Nebst der anspruchsvollen Bewässerung wird der Boden von Hand bearbeitet, manchmal helfen Zebus zu Beginn, um den Boden geschmeidig zu stampfen, auf dem dann die Reissetzlinge angebracht werden (es muss also umgepflanzt werden). Gedüngt wird übrigens nicht und der Boden wird durch den Monokultur-Anbau mit der Zeit ausgelaugt. Auch die Reisernte wird manuell durchgeführt, wobei – zusammen mit dem Transport, Dreschen und Trocknen – ein Verlust von bis zu 20% entsteht (Quelle: www.madainfo.de).


Nun aber zurück nach Fianarantsoa, wo wir nach dem wundervollen Spaziergang durch die Teeplantagen und einem kurzen Besuch in der Galerie des berühmtesten Fotografen Madagaskars – Pierrot Men – die Altstadt besichtigten, die aufgrund ihrer Lage auf einem steilen Hügel autofrei ist. Dieser ruhige, charmante Stadtteil mit Häusern im Kolonialstil unterscheidet sich grundlegend vom Rest der Stadt, in der es ähnlich (aber nicht ganz) hektisch und chaotisch wie in Tana zu und her geht. Nur die bettelnden Kinder erinnerten uns an Tana, jedoch war deren Vorgehensweise um einiges nobler und wurde dem Ruf der Stadt, das geistige Zentrum der Insel zu sein, ironischerweise gerecht. Während in Tana jeweils versucht wird, mit den (fast aggressiv anzuhörenden) Sätzen „Donnez-moi de l’argent“ oder „J’ai faim“ unter dem hingehaltenen Hut mit der anderen Hand die Tasche des allesvermögenden Vazahas zu öffnen, sind die bettelnden Kinder hier sehr wohlerzogen. Nicht schlecht staunten wir, dass sie sogar in drei Sprachen (französisch, englisch, deutsch) mehrere Sätze sagen konnten. (In Tana hatten wir genau eine Person getroffen, die ein paar Wörter Deutsch konnte und sicher kein Bettler.) Wir blieben jedoch bei unserem Grundsatz, nie Geld zu verteilen, der übrigens während unserer Arbeit an der Schule nochmals bestätigt wurde. Wir hatten im Waisenheim einen Jungen, der vorher auch auf den Strassen Tanas bettelte und wie uns erzählt wurde, wollte er während den ersten Monaten immer wieder in die Stadt zurückkehren, weil er sagte, dass er dort alle Freiheiten hätte und ausserdem mit Betteln immer genügend Geld verdiente zum Leben. Deshalb sollte man es sich wirklich gut überlegen, ob man bettelnden Kindern Geld geben möchte und somit diesen „Beruf“ für sie lohnens- oder für andere erstrebenswert macht oder ob man das Geld nicht besser einer Organisation überlässt, die den Kindern eine Lebensalternative bietet…


Falls du auch nach dieser Abschweifung immer noch am Weiterlesen bist, nehmen wir dich mit zur Weindegustation.;-) Ja, wir sind halt nicht nur Tee-Liebhaber, sondern geniessen auch gerne ab und zu ein bisschen Wein. In der Region von Fianarantsoa liegt nämlich auch das wichtigste Weinbaugebiet Madagaskars. Wir besuchten den „Lazan’i Betsileo“, ein Weinherstellungsort, das in den frühen 1970er-Jahren durch ein Schweizer Entwicklungshilfeprojekt entstand. Das Ziel bestand darin, mehr als 1000 Kleinbauern in einer Genossenschaft zu mobilisieren. Diese bewirtschaftet heute insgesamt um die 250 Hektar Land und betreibt mehrere regionale Weinkellereien, wovon wir die Zentrale besuchten. Nach einer spannenden Führung (nach madagassischen Massstäben) durfte natürlich die Degustation nicht fehlen und wir konnten schliesslich der Verlockung nicht widerstehen, einige Flaschen zu kaufen. Mmh, der Apéro-Wein…;-)

Schliesslich schlenderten wir noch bei Mordshitze (wir sind eigentlich noch auf dem Hochland!) durch verschiedene Märkte. Morgen geht’s weiter in den Ranomafana-Park und nach Manakara an die Ostküste.


 

4. Januar: Ranomafana-Nationalpark

Um 6.30 Uhr verliessen wir Fianarantsoa in Richtung Nationalpark Ranomafana (wortwörtlich: „bei den heissen Quellen“). Nach einer guten Stunde kamen wir bereits am Parkeingang an und starteten gleich eine 4-stündige Wanderung. Solche Parkeintritte sind, gemessen am allgemeinen Preisniveau in Madagaskar, eher teuer. Ausserdem ist in praktisch allen Parks ein Guide obligatorisch, was uns manchmal etwas nervt, aber zum Teil schon Sinn macht, da man z.B. die Lemuren (auf die wir aber nicht wirklich scharf sind) selber nicht finden würde. Ausserdem ermöglichen ja die Touristen den Bestand eines solchen Parks überhaupt, was eine wirklich gute Sache ist, da wohl sonst wie überall hier dort bald nicht mehr so viele Bäume stehen würden und die Flora und Fauna nicht in so vielfältiger Weise gedeihen bzw. leben könnte. Trotzdem merkten wir, dass wir nicht so gerne hinter einem Guide hertrotten und es nicht sein muss, dass extra für die Vazahas auf Biegen und Brechen alle im Park lebenden Lemurenarten gefunden werden. Trotzdem konnten wir unseren Guide erst nachdem wir alle im Park lebenden Arten der Bambuslemuren (der kleine, der grosse und der goldene Bambuslemur, wobei letzterer erst 1986 entdeckt wurde) gesichtet hatten, davon überzeugen, dass wir im 43 Ha grossen Park lieber einfach Wandern wollten, anstatt noch die weiteren 9 Lemurenarten aufzuspüren (wozu es übrigens ausser den Guides offizielle „animal spotters“ gibt, die jeweils vorausflitzen). So gelangten wir zu einem schönen Wasserfall, in den unser Guide sogleich reinsprang und auch wir nutzten das kühle Wasser als wohltuende Erfrischung. Obwohl wir die ganze Zeit im Schatten der Bäume liefen, brachte uns das tropisch feuchte Klima ziemlich ins Schwitzen. (Die relative Luftfeuchtigkeit liegt ständig bei 90 bis 97 %.)

Am Mittag waren wir bereits wieder am Ausgangspunkt zurück, wo wir nach einem leckeren madagassischen Gericht (das Reis der Hauptbestandteil war ist wohl überfüssig zu erwähnen) unsere Fahrt nach Manakara, eine Stadt an der Südostküste Madagaskars, fortsetzten. Die Landschaftsszenerie, die sich uns auf dieser gut 3-stündigen Fahrt bot, machte derjenigen zwischen Tana und Fianarantsoa starke Konkurrenz. Eigentlich kann man sie aber gar nicht wirklich vergleichen, denn während auf letzterer Strecke die vielen Reisfelder dominieren, ist es auf der Strecke nach Manakara die üppige Vegetation, die einem in Bann zieht. Abertausende der endemischen Ravinala-Bäumen (Fächerpalmen – Madagaskars Emblem, der übrigens auch „Baum des Reisenden“ genannt wird, da er ein anzapfbares Wasserreservoir in sich trägt) zogen während der kurvenreichen Fahrt an uns vorbei und immer wieder hatte man weite Sicht über die vielen Hügel. Gegen die Küste nahm der üppige Wald ab und es kamen immer mehr Palmen in Sicht. Die Bewohner dieser Region leben sehr abgelegen und wie es scheint sehr traditionell. Während man in Tana nur wenige Frauen mit Wickeltuch sieht, ist das hier Standard und alle Häuser, die man von der Strasse aus sehen kann, sind einfache Holzhütten mit Palmdach. Einen besseren Einblick in diese Region werden wir dann übermorgen erhalten, wenn wir den Retourweg nach Fianarantsoa mit dem Zug zurücklegen, der durch Gebiete fährt, die nicht durch die Strasse erschlossen sind. Die Stadt Manakara selbst ist nicht wirklich sehenswert, da ziemlich heruntergekommen. Das hat wahrscheinlich (nebst der Politik natürlich) u.a. damit zu tun, dass es seit 2009 keinen schiffbaren Hafen und auch keinen Flughafen mehr gibt. Meer und Strände sind zwar sehr schön (v.a. auch völlig Vazaha-leer momentan), Baden lässt man aber wegen der starken Strömungen und Haien an den meisten Stellen besser sein.

Übrigens: Gegen ein bisschen Schweizer Winterkälte hätten wir bei den schwülheissen 35°C heute nichts gehabt…

 

 

5. Januar: Pangalanes-Kanal

Nach einer (temperaturmässig) unglaublich heissen Nacht, während der man fast nicht wusste, wie man sich hinlegen soll, damit man nicht so schwitzt und man überhaupt einschlafen kann, wachten wir nicht sehr „en forme“ auf. Ausserdem plagten uns wieder einmal jenste Viecher und den Termiten konnte man beim genüsslichen durchs Holzfressen zuhören. Was für ein Tier es schaffte, mitten in der Nacht das schwere Wasserglas umzuwerfen, haben wir nicht herausgefunden… Schon seit fast zwei Wochen verfolgen mich (Marco scheint unter den Insekten eher unbeliebt zu sein) wieder Flöhe oder Bettwanzen (?) und die Mücken lassen sich den Genuss meines Blutes trotz Antibrumm nicht nehmen. Das ständige Beissen kann wirklich zur grausamen Tortur werden und durch das Kratzen, das man manchmal einfach nicht lassen kann (v.a. in der Hitze), wird der Körper ziemlich verunstaltet…

Aber nun zu den angenehmeren Dingen: Unserer traumhaften Fahrt auf dem Pangalanes-Kanal an diesem Tag. Dieser Süsswasserkanal beginnt südlich von Tamatave und zieht sich in unmittelbarer Nähe der Ostküste über 660 km lang bis nach Farafangana. Er ist teils künstlichen, teils natürlichen Ursprungs (im südlichsten Teil, ab Manakara, von wo wir starteten). Oft liegt zwischen dem Kanal und dem Indischen Ozean nur ein schmaler Landstrich, manchmal sogar nur eine Sandbank. Der Kanal wurde zu Beginn des 20. Jhr. durch die französischen Kolonialherren gebaut. Um ca. 9.00 legten wir mit der Piroge los, d.h. Marco und ich sowie der Guide sassen gemütlich unter dem Sonnendach, während 5 Männer (2 vorne, 3 hinten) paddelten. Unnötig zu erwähnen, dass den Paddlern in dieser schwülwarmen Hitze der Schweiss schon nach 5 Minuten in Strömen runterlief. So waren unsere „starken Männer“ wohl auch nicht unglücklich darüber, dass wir auf der Fahrt zum ca. 8 km entfernten Strand „Trou du Commissaire“ (man kann vom Kanal ganz schnell über den kleinen Landstreifen zum Meer laufen) dreimal anhielten und sie sich im Kanal erfrischen konnten. Die Fahrt auf diesem Teil des Pangalanes-Kanal (dem natürlichen) erinnert einem von der Szenerie her ein wenig an Vorstellungen, die man von „Dschungelvölkern“ hat. Es gibt auf diesem Abschnitt links und rechts des Kanals nur Fischerdörfer, d.h. einfache Hütten aus Palmblättern und Holz, wobei jede Hütte natürlich ein „Fahrzeug“ in der „Garage“, d.h. eine Piroge im Wasser parkiert hat. Alle paar hundert Meter spielen nackte Kinder im Wasser und die Väter sind auf ihren Pirogen am Fischen. Oft sitzt dabei auch noch eine Frau oder ein Kind in der Piroge und schöpft fortlaufend das Wasser aus dem Innern der Piroge. Die kleinen Dörfer sind umgeben von den verschiedensten Pflanzen, darunter viele Heilpflanzen, und natürlich Palmen. Unser Guide zeigte uns verschiedene Eukalyptusarten, Zitronengras, Orangenbäume, Vanillestauden, Zimtbäume (wobei man die jeweilige Art sofort am Geruch des Blattes oder des Zweigs erkannte) und wir assen feine chinesische Guavas (kleiner als normale Guavas) direkt vom Baum. In einem Dorf besuchten wir ausserdem eine kleine „Freiluft“-Distillerie, wo pflanzliche Öle gepresst werden. Wir liessen es uns nicht nehmen, zu einem Spottpreis von CHF 2.- pro Flacon Mittelchen gegen zukünftige Erkältungen und andere Wehwehchen zu erwerben. Nur das Öl für mehr Haarwuchs liess ich mir trotz der Bemerkung bezüglich meiner feinen Haare nicht andrehen…;-)

In unserer Piroge wurde inzwischen eifrig Fisch gebraten und Reis gekocht und wir fragten uns gerade, ob das wohl gut kommt im engen Boot und mit den Schaukelbewegungen als der Reistopf vom Kohlefeuer rutschte und sich der hintere Paddler böse die Füsse verbrannte. Unverständlicherweise wollte er die Füsse nicht im Wasser kühlen und so gab’s bald riesige Blasen… Am Strand „Trou du Commissaire“ angekommen (der einzige Strandabschnitt, wo Baden ungefährlich ist, da es ein Korallenriff hat), schlürften und assen wir zuerst eine Kokosnuss und bekamen anschliessend von unseren Paddlern ein köstliches Mittagessen aufgetischt, bestehend aus Fisch und feinem Salat (das Reis fiel ja eben ins Wasser… was uns aber nicht allzu traurig stimmte im Gegensatz zu unserem Guide). Nach einem erfrischenden Bad im Indischen Ozean (als einzige Vazahas) nahmen wir den Rückweg in Angriff, was bei durchgehendem Paddeln zwei Stunden dauerte (nicht zuletzt etwas länger als gedacht, weil wir noch eine gestrandete Französin mitnahmen, deren Gewicht Marco und ich zu zweit ausgleichen mussten, um nicht in Schräglage zu kommen…). Diesen tollen Tag rundeten wir mit einem Crevetten-Essen ab und waren froh über den bald einsetzenden Regen, der für ein bisschen Abkühlung sorgte.

 

 

6. Januar: Mit dem Zug durch den Dschungel

Anstatt mit unserem Fahrer zurück nach Fianarantsoa zu fahren, nahmen wir den Zug. Natürlich kann man sich das aber nicht wie Zugfahren in der Schweiz vorstellen. Gebaut wurde die gut 160 km lange Strecke zwischen 1926 und 1936 und es gibt 67 Brücken und 48 Tunnels. Etwa 5000 Männer waren pro Jahr mit dem Bau beschäftigt und mehrere Tausend waren dabei über die Jahre ums Leben gekommen. Viele der Gleise stammen aus dem Elsass oder sind Kriegsabgaben aus Deutschland und wurden per Schiff von den Franzosen nach Madagaskar gebracht. Es handelt sich bei dieser Eisenbahnlinie ausserdem um die einzige momentan funktionierende mit Personentransport in Madagaskar.

Wir kauften Tickets für die 1. Klasse, wobei der Unterschied zwischen 1. und 2. Klasse aber nicht in komfortableren Sitzen besteht, sondern in der Tatsache, dass auf jedem Sitz nur eine Person sitzt (vorläufig auf jeden Fall, aber dazu später mehr). Morgens um 6.30 sassen wir also bereits brav auf unserem Bänkchen, während die Einheimischen in aller Seelenruhe ihr Gepäck und ihre Waren einräumten. Mit mehr als einer Stunde Verspätung (hätte wirklich schlimmer sein können) fuhren, besser gesagt, „ruckelten“ wir schliesslich los. Der Zug fährt nämlich maximal 30 km/h und das alte Fahrwerk und die verbesserungswürdige Schienenqualität führen dazu, dass es beim Fahren fast fortwährend „klöpft“ und die Wagen oft ziemlich ins Schwanken kommen. Mir war während der Fahrt ein paar Mal etwas mulmig zumute und ich fragte mich, ob der Zug wohl entgleisen könnte. Gut habe ich erst im Nachhinein erfahren, dass der Zug tatsächlich schon mehrmals entgleist ist…

Bis zur zweiten Haltestelle (insgesamt sind es fast 20!) folgt die Eisenbahnlinie noch der Strasse, anschliessend befindet man sich bald in einem Gebiet, das nur mit der Eisenbahn oder ansonsten nur sehr beschwerlich erreichbar ist. Der Regenwald ist zwar kaum mehr in seiner ursprünglichen Form vorhanden, doch an vielen Orten immer noch sehr wild. Obwohl der Zug ca. alle zwei Tage in  die eine oder andere Richtung fährt, wird er bei seiner Einfahrt in den Dörfern immer regelrecht umzingelt und auch mitten im Wald stehen plötzlich immer wieder ein Haufen Kinder neben dem Gleis um zuzuwinken. Da es nur zu den wenigsten Dörfern (den am Rand der Strecke liegenden) eine Strassenverbindung gibt, sind die Leute, die hier wohnen darauf angewiesen, mit den Zugpassagieren Geschäfte zu machen. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass es sich um keinen Touristenzug handelt, was einem bei der Fahrt jedoch schnell deutlich wird. Auf jeden Fall muss man die Passagiere nicht zweimal bitten, auf der Strecke Einkäufe zu erledigen. Nach und nach füllte sich das Abteil mit Unmengen von Bananen, Mangos, Hühnern (die während der Fahrt immer mal wieder ein Lebenszeichen von sich gaben), Ananas, getrockneten Fischen, Pfeffer etc. Wie wir bemerkt haben, wird in riesigen Mengen eingekauft, wahrscheinlich um die Waren in der Stadt dann mit gutem Gewinn weiterzuverkaufen. Die Preise sind nämlich ausgesprochen niedrig, wir zahlten z.B. umgerechnet 20 Rappen für eine Staude mit ca. 25 kleinen, zuckersüssen Bananen.

Die ersten paar Stunden Fahrt waren noch relativ angenehm, da wir ein Viererabteil für uns hatten, die Haltezeit in den Dörfern nicht allzu lange dauerte und wir entweder ungestört schlafen oder die Landschaft bestaunen konnten. Als die Haltezeiten aber immer länger wurden (z.T. bis zu einer Stunde!), sich unser Abteil inklusive Gang füllte und alle um uns herum mit lautstarkem Schmatzen Flusskrebse verzehrten (und die Schale natürlich auf den Boden spuckten) oder eine Reisschlacht veranstalteten, wurde unsere Geduld schon zum ersten Mal leicht strapaziert. Wir hatten keine Ahnung, wie lange unsere Fahrt noch dauern würde, hatten aber das ungute Bauchgefühl, dass wir noch nicht sehr weit gekommen waren. Normalerweise dauert die Fahrt von Manakara nach Fianrantsoa (bergaufwärts) ca. 10 bis 12 Stunden und so rechneten wir ursprünglich damit etwa um 20.00 Uhr in Fianarantsoa anzukommen. Nachdem wir an einer Haltestelle einen Güterwagen ab- und zwei neue angehängt hatten, hatte der Zug in den Steigungen (auch aufgrund der feuchten Gleise, da es geregnet hatte) jedoch immer mehr Mühe. Langsam dunkelte es ein und wir bewegten uns teilweise nur zentimeterweise vorwärts. Viele Steigungen schafften wir zudem nicht aufs erste Mal und wir rollten wieder rückwärts um es erneut zu versuchen. Manchmal blieb der Zug auch einfach für eine halbe oder eine ganze Stunde mitten im Nichts stehen, bevor er erneut den Versuch wagte, eine Steigung zu bewältigen. Nach bereits mehr als 12 Stunden im Zug wurde das für uns zur enormen Geduldsprobe; die anderen Leute in unserem Abteil trampelten uns ständig auf den Füssen herum, wir wussten nicht mehr wie sitzen und wir mussten eigentlich endlich mal aufs Klo. Gegen 22.00 Uhr dachten wir, dass es so lange ja nicht mehr dauern kann, aber da täuschten wir uns gewaltig… Der Zugchauffeur (oder wer auch immer) hatte immer noch die Nerven in jedem Dorf einen mindestens halbstündigen Halt einzulegen (vielleicht um selbst Geschäfte zu machen…?) und viele Leute stiegen bei jedem Halt aus oder drängten ans Fenster (was jeweils ein ziemliches Herumgeschubse gab), um sich zu verpflegen. Bald war es draussen und auch im Zug (Licht gab‘s keines) stockdunkel und einige Passagiere packten ihre Taschenlampen aus. Nun waren wir mitten in einem madagassischen Massenlager gelandet. Während der Zug mit Müh und Not weiterruckelte (oder wiedermal spulte), lagen die Leute in unserem Abteil kreuz und quer übereinander auf den Sitzen und auf dem Boden und Marco passte gut auf, dass die anderen Leute nicht auf das neben uns im Gang liegende Mädchen standen; ohne Taschenlampe konnte man nämlich wirklich nichts sehen. Auch wir versuchten, etwas zu schlafen, was jedoch gar nicht so einfach war, da es unmöglich war, eine bequeme Position zu finden und auch die Luft nicht mehr ganz „rein“ war. (Bereits an Nachmittag musste sich das Mädchen hinter uns übergeben und das wahrscheinlich mittlerweile überlaufende Zug-WC sonderte ebenfalls intensive Gerüche ab.) Dass ausserdem bei jedem Halt fast alle wieder aufwachten und sofort einen Flusskrebs verschlingen mussten, war für uns ein Rätsel und nach Mitternacht eine grosse Zumutung für unsere Nerven. Wir hätten nicht geahnt, dass einem ständiges Knacken, Schmatzen und Ausspucken um einen herum so auf den Geist gehen kann, v.a., wenn die ausgespuckten Reste dann noch auf den eigenen Füssen landen. Bei dieser Zugfahrt waren wir wirklich einmal mehr „erstaunt“ (um es vorsichtig zu formulieren), dass man mit so wenig Manieren essen kann; wir hatten schliesslich Zeit zum Beobachten. Auch beim Reisessen wird z.B. immer viel mehr Reis auf den Löffel geladen als überhaupt in den Mund passt, so dass sich dann die Hälfte davon beim in den Mund schieben schön über die Kleider oder den Boden verteilen kann… Die Erwachsenen machen’s so vor und die Kinder natürlich ihnen gleich.

Wir ruckelten, spulten und rutschten also Zentimeter um Zentimeter, Meter um Meter vorwärts und um die folgenden unangenehmen Stunden kurz zu fassen: Wir kamen um 5.30 Uhr morgens, nach 23 Stunden im Zug (ohne aufs Klo gehen, ohne etwas zu trinken (das hätte ja ersteres beeinflusst) und ohne auszusteigen), in Fianarantsoa an. Eindeutig ein Erlebnis, das uns in Erinnerung bleiben wird…

 

7. Januar: Ambalavao – Andringitra-Region

Als wir eeeeendlich aus dem Zug raustorkelten, wartete Maurice, unser Fahrer, bereits (bzw. seit 10 Stunden) auf uns und unsere erste Sorge galt dem Bedürfnis, ein WC und etwas zu Essen aufzutreiben (wir hatten ja schliesslich keine Krebse gegessen). Auch Geld abheben mussten wir noch (was wir aufgrund der wenigen Banken hier im Süden und den hohen Gebühren nur selten und dann dafür in „grossen Mengen“ tun), was nicht erwähnenswert wäre, wenn man Marco nicht 100‘000 Ariary (ca. CHF 42.-) zu wenig ausgehändigt hätte. Da man 2 Millionen nicht so rasch durchzählt, merkten wir es erst nach einigen Minuten Autofahrt und kehrten schnurstracks zur Bank zurück, wo wir das fehlende Geld überraschend schnell erhielten… So konnten wir danach beruhigt unsere Reise in Richtung Ambalavao fortsetzen. Nach einer Stunde Dösen im Auto kamen wir in dem kleinen Hochland-Städtchen an und besuchten zuerst ein Seidenatelier, wo wir zuschauen konnten, wie auf einfachste Art und Weise Seidenprodukte hergestellt werden. Ebenfalls in Ambalavao angesiedelt ist die Produktionsstätte des Antemoro-Papiers, mit Blumen verziertes handgeschöpftes Papier, aus dem die verschiedensten Produkte hergestellt werden. Nach einer kleinen Führung, die sogar gratis war, machten wir uns auf den Weg in den Andringitra Nationalpark bzw. ins Camp Catta, von wo wir den Pic Boby, den zweihöchsten Berg Madagaskars, besteigen wollten. Der höchste Berg befindet sich im Norden, ist aber praktisch unzugänglich. Unsere Enttäuschung war ziemlich gross als uns der Guide am Abend mitteilte, dass sie in der Regenzeit aufgrund des Risikos starker Gewitter (2 Nächte im Biwak waren geplant) prinzipiell keine Touren auf den Pic Boby anbieten. Dies, obwohl wir extra einige Wochen im Voraus angefragt hatten und eine positive Antwort erhalten hatten... Andere Guides würden die Tour evtl. machen, doch um dies noch für den folgenden Tag zu organisieren fehlte uns die Zeit und wir konnten nicht einmal jemanden anrufen, da wir keinen Empfang hatten. So entschieden wir uns schweren Herzens, am nächsten Tag eine Tagestour zu machen und befürchteten, es würde ein „Kinderspaziergang“ werden wie so oft in diesen Parks. Das Camp Catta (wirklich zu teuer, um länger als eine Nacht zu bleiben), liegt übrigens gar noch nicht im Andringitra-Park, sondern im angrenzenden Tsaranoro-Tal und auch unsere Wanderung morgen wird ausserhalb des Parks stattfinden.

 

8. Januar: Wandern

Wir konnten es kaum erwarten, am Morgen endlich loszulaufen, um mehr von der Umgebung zu sehen. Unser Guide, Héry, entpuppte sich nach den ersten Gesprächen als eindeutig überqualifiziert für eine „simple“ Wanderung und aufgrund seiner Erzählungen und seiner aufrichtigen Art wurde uns bald klar, dass er nicht einfach blufft. Er läuft schon seit mehr als 20 Jahren in dieser Gegend herum, kennt also jede Ecke und ist ausserdem ausgebildeter Kletterführer und (der einzige in Madagaskar!) Gleitschirmlehrer. Betrachtet man die imposanten Felsformationen, meist fast aalglatte, senkrechte Steinwände, glaubt man ihm auch, dass hierhin Kletterprofis aus aller Welt strömen. Anscheinend kletterte er im letzten Jahr zusammen mit einem der weltbesten Kletterer, einem Slowaken, eine Kletterroute, für die man normalerweise 2 Tage braucht in 9 Stunden. An Kletterwettbewerben im Ausland kann er selber nicht teilnehmen, da er seinen Arbeitsort aufgrund der grossen Nachfrage nicht verlassen kann und es keinen Ersatz für ihn gibt. Um es gleich vorwegzunehmen: Diese Wanderung wurde für uns zu einem absoluten Highlight! Die Landschaft ist einfach unbeschreiblich schön (überzeugt euch selbst durch die Fotos) und unsere Route war sehr abwechslungsreich. Nach der Durchquerung des „fôret sacré“ mit Gräbern ging es 1000 Höhenmeter aufwärts, die man jedoch gar nicht merkte, da man genug damit zu tun hatte, die Felswände, Orchideen, Palmen und überhaupt die ganze Vegetation zu bestaunen. Bald fielen uns Kuhfladen auf dem Weg auf, was in diesem rutschigen und steilen Gelände nicht nur uns, sondern auch Héry merkwürdig vorkam… Eine halbe Stunde später sichteten wir weiter oben im Hang eine kleine Herde von ca. 10 jungen Zebus, die von zwei jungen Männern den steilen Pfad hinaufgetrieben wurden. Als wir die zwei Flinten der Zebutreiber sahen, war uns – und offensichtlich auch Héry – aber schon nicht mehr ganz wohl, denn es war schnell klar, dass es sich um Zebu-Diebe handeln muss, welche die ganze Nacht durchgelaufen sind und nun die Tiere am Tag in den Bergen verstecken bevor sich in der Nacht über alle sieben Berge machen. Da sie mit den Zebus, die sichtlich mit dem Weg kämpften und ausserdem bereits blutig geschlagen waren, nicht rasch vorankamen, mussten wir die Truppe wohl oder übel überholen. Héry tauschte ein paar Worte mit den Zebu-Treibern aus und wir schauten, dass wir schnell weiterkamen. Héry meinte danach, dass es immer gut ist, bei solchen Begegnungen Vazahas dabei zu haben, da sie vor uns Angst haben... Wir waren auf alle Fälle froh, später auf der anderen Seite absteigen zu können. (Ein ganz kurzer Zeitungsbericht, der über das grosse Problem der Zebu-Diebstähle berichtet hier: http://www.bz-berlin.de/aktuell/welt/lynchjustiz-gegen-viehdiebe-150-tote-article1537663.html).

Kurz darauf kamen wir auf dem höchsten Punkt unserer Wanderung an, von wo wir einen ersten wundervollen Rundumblick über das Andringitra-Gebirge bis auf den Pic Boby und in Richtung Süden hatten. Anschliessend liefen wir oft auf Felsuntergrund, der aufgrund des Regens extrem rutschig war und wir folgten brav Hérys sicheren Tritten. Nach einem kleinen Abstieg kämpften wir uns wortwörtlich durch einen Bambus-Wald und mussten uns darauf konzentrieren nicht von den rutschigen Felsen in den Bach zu rutschen. Schliesslich stiegen wir eine 45°-Felswand (die glücklicherweise trocken war und Héry das mitgebrachte Seil nicht montieren musste) hinauf und konnten schliesslich oberhalb der „Falaise Jaune“ (eine der senkrechten Kletter-Steilwände) erneut die wunderbare Aussicht geniessen. Danach ging es noch ein paar Felswände mit Fixseil hinauf und hinab und wir bewunderten die Landschaft immer wieder aus einem anderen Blickwinkel. Héry meinte andauernd, wie sportlich wir doch seien, doch wir dachten, das sei nur Schmeichelei (dafür scheint Héry aber viel zu aufrichtig zu sein). Erst als wir nach weniger als 5 Stunden anstatt den vorgesehenen 8 Stunden bereits von der grossen Abenteuer-Tour (so wird sie im Camp genannt) zurückkehrten und Héry den anderen Gästen und dem Personal begeistert von unserer Sportlichkeit erzählte, merkten wir, dass wohl noch ganz andere Leute hier aufkreuzen. Héry meinte nur, dass er sonst während den Wanderungen jeweils schlafen kann…;-).

 

Wir beschlossen, das Camp bereits diesen Nachmittag anstatt wie geplant zwei Tage später zu verlassen, da wir den Pic Boby nicht machen können und uns das Camp für mehr als eine Nacht zu teuer ist. Wir hoffen nun, doch noch eine Möglichkeit zu finden, auf dem Rückweg aus dem Süden nochmals eine Wanderung (diesmal im Park) in diesem Gebiet machen zu können, evtl. sogar den Pic Boby.

Wir verliessen also das Camp Catta und fuhren in ca. 3 Stunden weiter südlich, bis nach Ranohira, wo sich der Isalo-Nationalpark befindet; wiederum eine ganz andere und wieder sehr faszinierende Landschaft. Ich verzichte nun auf Beschreibungen und empfehle euch, die Fotos anzuschauen, sobald sie online sind… Das Gebirge in diesem Park besteht hauptsächlich aus Jura-Sandstein, der stark erodiert und von Canyons durchzogen ist. Das Bergmassif, eingebettet in die Trockenzone des Südens, bildet den Wasserspeicher der Gegend. „Chez Alice“ fanden wir in Ranohira einen herzigen Bungalow zur Übernachtung und freuen uns nun auf die Erkundung des Parks morgen.

 

9. Januar: Isalo-Nationalpark und Tuléar

Naja, aus der Parkerkundung heute wurde leider nichts, da wir uns auch als Touristen nicht alles bieten lassen. Wie in allen Parks ist ein Guide auch hier obligatorisch, was ja gut und recht ist, nur sind wir nicht bereit für einen halben Tag 163‘000 Ariary (ca. CHF 75.-) zu bezahlen. Dieser Preis ist im Vergleich zu allen anderen Parks masslos überrissen und da Handeln unmöglich war – es handelt sich ja schliesslich um einen „prix officiel“ – beschlossen wir, den Park zu „boykottieren“. Da es sich mit ca. 30‘000 Besuchern pro Jahr um den am meisten besuchten (aber wir sind sicher nicht den schönsten) Park Madagaskars (aber wir sind sicher, nicht der schönste von allen) handelt, können sie sich solche unverschämten Preise wohl erlauben und wahrscheinlich hätten wir es auch noch bezahlt, wären wir gerade frisch von Europa angekommen…

Wir begnügten uns also damit, das Isalo-Gebirge von ausserhalb der Parkgrenzen anzuschauen und fuhren weiter südlich nach Tuléar. Nicht gerade stimmungshebend war die Bemerkung unseres Chauffeurs, dass es auf der Strecke nach Tuléar in den letzten Tagen ein „problème“ gab. Genauer gesagt wurde eine Strassenbarrikade errichtet, um die Behörden dazu zu bewegen, etwas gegen die mutmasslichen Mörder von 6 Personen zu unternehmen, die bei einem Saphir-Diebstahl ums Leben kamen. (Dieses Gebiet um die Stadt Ilakaka im Süden beherbergt die grösste Saphirlagerstätte der Welt.) Anscheinend konnte ausgehandelt werden, dass die Mörder den Angehörigen mehrere hundert Zebus als „Wiedergutmachung“ zahlten und die Strassensperre wurde gestern wieder aufgehoben, Vorsicht war aber nach wie vor geboten. Solche Streitigkeiten und Überfälle kommen im Süden leider oft vor, meistens in Zusammenhang mit Stammesstreitigkeiten oder wertvollen Naturressourcen.

Wir legten einen kurzen Zwischenhalt in Ilakaka ein, um einen Showroom wertvoller Steine zu besichtigen (und natürlich nichts zu kaufen: Ist etwas teuer, sind die Preise immer plötzlich mit Euro und nicht mehr mit Ariary angeschrieben. Würde wohl für Europäer auf den ersten Blick etwas überrissen tönen, wenn etwas 10 Millionen kostet…;-)). Die Strasse dieses Dorfs ist eigentlich durchgehend gesäumt von (ausländischen) Verkaufsstellen von Steinen, wobei diese Häuser mit den noblen „Wartesalons“ neben den am Dorfrand stehenden Hütten der armen Einheimischen irgendwie einen seltsamen Eindruck machen. Wie wohl an vielen Orten fragt man sich unweigerlich, wie viel (oder besser gesagt wenig) die Bewohner der Region von den Schätzen in ihrer Region profitieren…

Zwischen Ranohira und Tuléar wird die Landschaft zuerst immer karger, um vor Tuléar wieder etwas üppiger zu werden, wobei man auch die ersten Baobabs sichten kann. Es ist jedoch nicht zu übersehen, dass diese Region auch in der Regenzeit nicht so viel Regen abbekommt wie die anderen Regionen, was sich übrigens auch durch die zunehmende Hitze gegen Süden bemerkbar macht. Am Mittag trafen wir in Tuléar ein, suchten einen kleinen Bungalow für eine Nacht (dass es nur kaltes Wasser gibt, macht uns bei diesem Wetter wirklich nichts aus…) und erkundeten schliesslich die Stadt zu Fuss, wobei uns bald der Schweiss in Strömen runterlief. Nachdem wir wiedermal einen Souvenir-Markt durchlaufen und etwas Fischiges (man muss es ja schliesslich ausnützen, wenn man am Meer ist) gegessen hatten, nahmen wir ein Pousse-Pousse zurück zur Unterkunft.

Morgen fahren wir mit einem Boot nach Anakao, ein kleines, ein paar Kilometer weiter südlich liegendes Fischerdorf, wo wir zwei Tage verbringen werden.



10. und 11. Januar: Chillen in Anakao

Morgens um 9.30 stiegen wir in das Schnellboot nach Anakao, direkt aus dem Zebu-Karren!  Diese Buckelrinder sind in Madagaskar ja allgegenwertig und sind auch Zeichen von Status und Reichtum. Zebus werden für alles Mögliche eingesetzt, unter anderem um einen Karren mit Waren zu transportieren. An diesem Tag waren es Vazahas, die hinten auf den Zebu-Karren (muss man sich wirklich museumswürdig vorstellen) Platz nahmen, um zum Boot zu gelangen. Da nämlich am Morgen Ebbe war und das seichte Wasser vom Ufer weit hinaus reichte, konnte das Boot nicht bis ans Ufer fahren. So sassen wir also im Zebu-Karren und ruckelten zuerst durch den Sand und dann durchs Wasser zum Boot. Interessant war dabei vor allem der „Sprache“ des Zebu-Treibers zuzuhören. Man wusste manchmal wirklich nicht, welche Laute jetzt von ihm und welche von den Tieren stammten. Ausserdem suchte ich die Umgebung immer nach einer Ente ab, bis ich merkte, dass der Zebu-Treiber diesen Laut benutzte. Zusätzlich werden die Tiere durch Ziehen an den Schwänzen und Kneifen in den Hinterteil auf Trab und Kurs gehalten. Leider waren unsere Zebus im Gegensatz zu den anderen, deren Karren bereits beim Boot angelangt waren, etwas wasserscheu und sträubten sich dagegen, das Wasser bis zum Hals stehen zu haben. So wurde die Fahrt ziemlich wild und Marco musste mir ständig versichern, dass unser Karren nicht umkippen und auch nicht versanden kann… Natürlich gelangten wir schliesslich nach einigen Umwegen unversehrt im Boot an und düsten nach Anakao.

Anakao, ein kleines Fischerdorf direkt am Meer (Kanal von Mozambique) ist glücklicherweise noch nicht „vertouristisiert“; es gibt etwa ein Dutzend Unterkünfte, alle jedoch relativ klein und links und rechts des Dorfes am Strand entlang verteilt. So musste man bereits im Boot entscheiden, bei welcher Unterkunft man aussteigen will, damit man direkt dort ausgeladen werden konnte. Wir wählten also einfach mal eine aus, von dem wir wussten, dass es günstig sein sollte. So stiegen wir weit vom Ufer entfernt aus dem Boot aus und trugen unser Gepäck durchs Wasser zum Ufer, wobei natürlich Helfer des Hotels schnell zur Stelle waren. Wir bezogen einen Bungalow direkt am Meer und verbrachten den Nachmittag mit Ausruhen in der Hängematte. Es war eindeutig zu heiss, um nur daran zu denken, sich an die Sonne zu legen… So hatte ich Zeit, mir am Nachmittag noch eine neue Frisur zuzulegen: Zöpfchen natürlich, was wunderbar pflegeleicht und praktisch ist (vor allem bei dieser Hitze).

Gegen Abend wurde die Hitze leicht erträglicher und wir liefen dem Strand entlang zum Dorf und noch etwas weiter. Das Dorf besteht hauptsächlich aus ganz einfachen Hütten und hunderten von auf dem Strand parkierten Pirogen zum Fischen. Es wird einem schnell klar, dass sich in diesem Dorf – in dem die Volksgruppe der Vezo angesiedelt ist – alles um das Meer dreht. Die Erwachsenen sind relativ offen und freundlich (natürlich wollen sie meistens auch etwas), die Kinder hingegen überraschend frech. Dass einem als Vazaha ständig in forderndem Tonfall „cadeau, cadeau“ nachgerufen wird ist ja nichts Neues, aber dabei an den Armen gepackt zu werden und sogar Fusstritte zu kassieren, ist doch etwas ungewöhnlich… Herzig sind die Vezo-Kinder aber allemal, oft ist ihr krausiges Haar ganz ausgebleicht von der Sonne. Ausserdem sammelten wir an diesem Abend viele Muscheln; wir waren noch nie an einem Strand mit so vielen unversehrten, grossen Muscheln, von denen man am Mittelmeer meistens überhaupt keine findet. Leider musste ich mein Sammelfieber wegen der Gewichtsbegrenzung für das Gepäck etwas unter Kontrolle halten…

Der Curry-Fisch zum Nachtessen und ein schöner Sonnenuntergang über dem Meer rundeten den Tag ab. In der Nacht hingegen hatten wir wieder etwas Mühe, Schlaf zu finden, da einem die Wärme fast erdrückte. Um das Mückennetz waren wir auch einmal mehr froh, nicht nur wegen der Mücken, sondern noch fast mehr wegen den vielen Kakerlaken (die können wirklich eklig gross und bei ihren Aktivitäten auch ziemlich laut sein).                                                                                                                 

Am nächsten Tag machten wir mit einem Vezo einen Ausflug nach Nosy Vezo (kleine Insel vor Anakao) in der Segelpiroge. Dort angekommen hatten wir Zeit zum Schnorcheln und Chillen und bekamen zum Mittagessen wiederum einen feinen grillierten Fisch mit Reis serviert.  Nach dem Mittag kehrten wir wieder nach Anakao zurück, weil es uns einfach zu heiss war (das Wasser ist ja auch seichwarm) und wir keinen Sonnenstich wollten. So verbrachten wir den Nachmittag wieder auf der Hängematte und Marco gönnte sich noch eine Massage, die ihm von einer jungen Vezo-Frau angeboten wurde. ;-)
Gegen Abend wollten wir zu Fuss die wüstenähnliche Umgebung etwas weiter entfernt vom Strand erkunden, kehrten aber trotz der interessanten Landschaft bald wieder Richtung Wasser zurück: zu heiss, zu viele bettelnde Kinder und zu viele Zebus (die ich mit ihren grossen Hörnern aus der Nähe und in grosser Anzahl immer noch nicht so mag). Zum Abendessen gab’s Fisch und Reis, quoi d’autre…?

 

 

12. Januar: Ifaty und Baobabs

Nach einem Morgenschwumm im Meer holte uns das Boot um 7.30 vor dem Hotel ab, um uns wieder nach Tuléar zu bringen. Schon um diese Zeit war die Sonne erbarmungslos und wir waren froh, nach einer Stunde wieder in den Zebu-Karren steigen zu können (wobei die Fahrt diesmal völlig unproblematisch verlief), um ans Ufer zu fahren. Weiter ging’s dann mit dem Auto nach Ifaty, ein Dorf nördlich von Tuléar, das schon um einiges mehr Touristen gesehen hat als Anakao. Dieser Ort ist von Tuléar aus in gut einer Stunde über eine Sandpiste zu erreichen, wir hatten aber um einiges länger, da wir in einer Polizeikontrolle stecken blieben.  Eigentlich überhaupt nichts Ungewöhnliches und bisher musste der Chauffeur nur immer seinen Fahrausweis und die Fahrzeugpapiere vorweisen. Diesmal wurden aber auch unsere Pässe verlangt. Wir haben vorsichtigerweise auf die Reise nur unsere Identitätskarte und eine Passkopie mitgenommen, jedoch nicht daran gedacht nach der Rückkehr von Mauritius auch noch eine Kopie unseres neuen Visums zu machen, was uns nun zum Verhängnis wurde. Der Polizist meinte wohl wir seien schwerhörig, sooft wiederholte er, dass man als Ausländer auf der Reise immer eine Visumsbestätigung dabei haben sollte… Wahrscheinlich meinte er, dass wir so endlich mal auf die Idee kommen, ihm etwas Geld zuzuschieben, aber die ohnehin schon gravierende Korruption in diesem Land noch zu unterstützen würde uns nicht im Entferntesten in den Sinn kommen. So liess er uns eine Stunde in der brütenden Hitze im Auto warten, während wir angeblich auf seinen Vorgesetzten warteten… Dieser tauchte aber nicht auf (falls er das überhaupt irgendwann getan hätte) und der Polizist bat die Vazahas zum Diskutieren aus dem Auto, wobei er nur wieder wiederholte, dass wir eben das Visum vorweisen müssten, aha… Blöderweise konnten wir das auch in der Zwischenzeit noch nicht herbeizaubern und wir dachten, dass er jetzt wohl sagen müsste, was zu tun war… So fragte er halt nochmals, was wir denn hier machen etc. und wir verloren langsam die Nerven… Wie oft in solchen Situationen wurde ich langsam „emotional“, was erstaunlicherweise dann aber den Polizisten dazu bewegte uns mit dem an Marco gerichteten  Gemurmel „Ta femme…ses sentiments…“ ziehen zu lassen…

In Ifaty suchten wir uns wiederum einen Bungalow am Strand und verbrachten die heissesten Nachmittagsstunden mit einem Nickerchen. Die Hitze ist im Moment wirklich extrem und mit der Feuchtigkeit am Meer, wenn mal gerade kein Lüftchen geht fast nicht aushaltbar. Man gewöhnt sich aber daran, dass einem der Schweiss auch ohne geringste Anstrengung runterläuft; gratis Sauna sozusagen.

Am späteren Nachmittag machten wir einen Rundweg im „Spiny Forest“ bei Ifaty, wo wir leider (zum wiederholten Male und trotz ständigem Auf-der-Hut-sein) übers Ohr gehauen wurden. Wir wollten eigentlich zum Reniala Forest, es kam aber zuerst das Büro eines anderen Parks, das jedoch nicht mit Namen angeschrieben war. Dieser sagte uns auf unsere Nachfrage, dass wir hier schon richtig im Reniala Forest wären… Denkste… später stellte sich heraus, dass wir in einem anderen Park gelandet waren. Das wäre ja nicht schlimm gewesen, denn es war ebenfalls schön, nur zahlten wir für weniger 3x mehr als im anderen Park. Solche Dinge passieren einem hier immer wieder, v.a. weil man ja auch nicht jedem und allem gegenüber immer im Vorhinein schon misstrauisch sein möchte… Unser Abendessen machte diesen kleinen Zwischenfall jedoch wieder mehr als wett. Wir trauten unseren Ohren nicht als wir in einem Restaurant für 20‘000 AR (ca. CHF 8.-) ein 3-gängiges Buffet-Menü angeboten erhielten und waren leicht skeptisch. Doch es war einfach fantastisch und wir genossen vor allem all die Meeresfrüchte (Crevetten, Seeigel, Muscheln, geräucherter Fisch, Tintenfisch etc.). Da es ausserdem Samstagabend war, spielte eine einheimische Band auf mit 4 Tänzerinnen, welche die Kunst des Bauchtanzes und Hüftschwingens perfekt beherrschten… Ein toller Abend!


 

13. Januar: Wieder ins Landesinnere

Morgens um 6.00 Uhr verliessen wir Ifaty bereits wieder. Natürlich wäre es schön gewesen, nochmals einen Tag am Strand zu verbringen, aber schlussendlich halten wir es jeweils beide nicht allzu lange aus, einfach untätig rumzuliegen… Wir haben nämlich herausgefunden, dass wir den Pic Boby doch noch machen können und fuhren deshalb heute zurück nach Ambalavao, eine Route, die wir so oder so wieder nehmen müssten, um nach Tana zurückzukehren. Die Fahrt war landschaftlich auch ein zweites Mal einfach herrlich und Marco übernahm schliesslich auch noch für eine Weile das Steuer, weil unser Fahrer ständig mit dem Schlaf zu kämpfen hatte. Nach ca. 8 Stunden Fahrt erreichten wir Ambalavao und sprachen zuerst mit einem Guide über die Pic-Boby-Tour. Das war wiedermal eine komplizierte Geschichte, nicht nur, weil wir ihn überzeugen mussten, diese Tour (2 Circuits plus den Pic Boby am Schluss) nur in zwei Tagen und nicht wie normalerweise in 3 Tagen zu machen. Allgemein gesagt kann man sagen, dass es hier manchmal schwierig ist zu wissen, ob man über den Tisch gezogen wird oder nicht und dass man manchmal etwas diskutieren muss. Die meisten sind sich an solche Diskussionen, in denen man herausfinden möchte, wofür man genau welchen Betrag zahlt, jedoch nicht gewohnt (allgemein direkt kommunizieren ist überhaupt nicht à la Gasy), nicht zuletzt, weil die meisten Touristen ja „frisch“ aus dem teuren Europa kommen und sogar bei total überrissenen Preisen noch das Gefühl haben, es sei günstig. Wir konnten uns schliesslich jedoch mit Marcel, unserem Guide (der übrigens lustigerweise immer in der 3. Person von sich spricht), freundschaftlich einigen  und freuen uns nun riesig auf die Tour in den nächsten zwei Tagen.

 

 

14. Januar: Andringitra-Nationalpark

Morgens um 6.00 verliessen wir unsere Unterkunft in  Ambalavao, um zum Andringitra-Nationalpark zu fahren. Die Fahrt auf der holprigen Naturstrasse mit vielen Brücken (vor denen unser Fahrer offensichtlich mehr Angst hatte als wir) dauerte drei Stunden, war jedoch sehr schön, da gesäumt von riesigen Reisterrassen. Bei der Registration im Parkbüro trafen wir zufälligerweise auf Héry (der Fallschirmspringer und Kletterer), unseren Guide von der letzten Wanderung. Wirklich ein sympathischer Typ und er konnte ausserdem noch Marcel beruhigen, indem er im versicherte, dass wir wirklich schnell laufen und die Route locker schaffen sollten. Um 10.00 ging’s dann endlich los. Der Träger, der unser Zelt, das Essen, das Kochmaterial und Essen trug, nahm den direkten Weg zum Camp unterhalb des Gipfels, während wir zwei Extraschlaufen einlegten. Zuerst machten wir eine Schlaufe, die uns direkt unterhalb zweier riesiger Wasserfälle vorbeiführte. Man spricht nach einer Legende vom Wasserfall des Königs und der Königin. Nachher ging‘s weiter mit dem Diavolana-Circuit, bei dem zuerst 500 steile Höhenmeter anstanden. Dafür hat man nachher das Strengste hinter sich und wird mit einer tollen Sicht auf die umliegenden Berge, Hügel und das Tal belohnt. Weiter führt der Weg durch die sogenannte „Mondlandschaft“ mit ihren speziellen Formen, Erhebungen und Kratern. Schliesslich läuft man auf der Hochebene an gewaltigen Felsmassiven vorbei zum Camp. Ohne danach suchen zu müssen, entdeckt man immer mal wieder einen speziellen Frosch, leuchtend farbige Heuschrecken und verschiedenste Orchideenarten: einfach wunderschön!

 

Um ca. 16.00 Uhr erreichten wir unser Camp, das an einem der vielen Bäche mit „Naturschwimmbad“ liegt. Es war uns aber um diese Zeit bereits etwas zu frisch, um ins kalte Wasser zu springen und wir schlürften lieber einen heissen Tee, den unser Träger bereits vorbereitet hatte. Auch unser Zelt war bereits aufgestellt und nachdem wir uns kurz eingerichtet hatten, setzten wir uns zu unseren Begleitern in den „Kochunterstand“ (wo sie übrigens auch schliefen, brr!). Die Zubereitung der Gemüsesuppe, des Reises und des Poulets (das wir am Morgen noch in seiner lebendigen Form im Kofferraum hatten) dauerte aber noch eine Weile und wir begannen mit der Kälte und dem Schlaf zu kämpfen. Marcel bot uns derweil ein Gläschen Rum an, der aber wie Sprit schmeckte und wahrscheinlich aus einer der vielen illegalen (aber tolerierten) Distillerien stammte, die wir auf dem Weg in den Süden gesehen hatten. Marco hoffte, damit aber wenigstens ein paar Bakterien abtöten zu können, denn seit gestern Abend kämpft er mit Übelkeit. Immerhin konnten wir uns dank dem „guide local“ (der uns nebst Marcel ebenfalls begleitete) etwas amüsieren. Plötzlich tauchte er in einem rosaroten Ganzkörperskianzug auf, der zweifelsohne aus der Kleidersammlung stammt (was hier übrigens bei den meisten Kleidern der Fall ist und „fripes“ bzw. „friperie“ genannt wird). Sein Übernamen lautete von da an „Skianzug“.;-) Fairerweise muss man aber hinzufügen, dass seine Bekleidung nicht mal das Dümmste war, denn er hatte keinen Schlafsack und so sicher etwas wärmer in der Nacht als unser Träger, der nichts anderes dabeihatte als kurze Hosen und ein dünner Pulli. Wir fragen uns jetzt noch, wie er die Nacht überstanden hat (war nur um die 8°C). Vermutlich ist er aber einfach extrem abgehärtet… Er lief auch den ganzen Weg barfuss und wenn man seine Füsse mit den rieseigen Rissen und verschiedenen Hautschichten anschaut, kann man sich gut vorstellen, dass diese noch nie Schuhe gesehen haben. Das ganze Material trug er ausserdem in zwei rieseigen Bündeln auf einem über der Schulter liegenden Ast den Berg hinauf… In der Zwischenzeit traf ausserdem noch eine Gruppe von vier Deutschen mit ihren Führern und Trägern ein, die jedoch den direkten Weg zum Camp genommen hatten. So konnten wir uns wiedermal mit anderen Touristen über unsere Reiseerfahrungen austauschen, was bisher gar nicht oft möglich war, da man nur sehr wenige Touristen antrifft zurzeit. Auch zwei Zebu-Hirten tauchten noch mit ihren Tieren auf und übernachteten im zweiten Unterstand. Irgendwann hatte auch unser Essen auf dem Feuer fertig geköchelt und während wir die Gemüsesuppe noch knapp herunterbrachten, war der Reisberg auf unseren Tellern (den wir Pic Boby tauften) eindeutig zu gross… Wir verabschiedeten uns danach rasch zum Schlafengehen, da Marco sich ziemlich unwohl fühlte und wir morgen um 3.00 Uhr aufstehen werden, um den Gipfel bei Sonnenaufgang zu erreichen.

 


 

15. Januar: Pic Boby (Imarivolanitra: "nahe am Himmel")

Um 3.00 Uhr schälten wir uns nach einer für Marco alles andere als angenehmen Nacht aus dem warmen Schlafsack, packten unsere Sachen und tranken einen heissen Tee. Um 4.00 machten wir uns mit unseren zwei Guides auf den Weg in Richtung Gipfel und wir waren nicht die einzigen mit noch etwas wackeligen Beinen, denn „Skianzug“ (den er übrigens zum Laufen gleich anbehielt) stürzte bei der ersten Bachüberquerung fast ins Wasser. Im Dunkeln ging es zuerst ziemlich steil aufwärts, was so früh am Morgen irgendwie noch nicht so ring ging. Auch für Marcos Magen war es nun endgültig zu viel, aber die „Entleerung“ war eine grosse Erleichterung. Bald konnten wir die Stirnlampen ausschalten und in der Morgendämmerung laufen; eine wunderschöne Stimmung. Den Pic Boby bekam man erst nach einer Stunde zu sehen, da er hinter anderen Gipfeln versteckt liegt. Sobald wir den Gipfel in Sicht hatten und die Sonne bald ganz aufzugehen drohte, war Marcel nicht mehr zu halten und wir „rannten“ hinter ihm den Berg hinauf. Die Landschaft und die Aussichten waren einfach traumhaft (überzeugt euch selbst mit den Fotos) und wir erreichten den Gipfel schliesslich nach nur 1.5 Stunden Aufstieg. Übrigens: Dieser Berg ist für Schweizer Verältnisse mit seinen 2658 M.ü.M. eigentlich nicht sehr hoch. Es handelt sich aber um den höchsten zugänglichen Gipfel Madagaskars. Der höchste Berg liegt im Norden und ist gut 200 Meter höher als der Pic Boby.

Wir genossen für eine halbe Stunde die klare 360°-Rundumsicht in der Morgenstimmung und nahmen danach den Abstieg in Angriff. Auf dem Weg trafen wir auf die Deutschen, die etwas später unterwegs waren. Nach insgesamt 3 Stunden gelangten wir um 7.00 Uhr schon wieder im Camp an und machten uns nach einer kurzen Pause auf in Richtung Tal. Nach einer landschaftlich wiederum tollen Abstiegsroute erreichten wir um 10.00 bereits das Dorf, wo unser Fahrer auf uns wartete. Marcel war überglücklich über unsere tolle Zeit und musste es sofort allen erzählen.;-) Auch wir waren glücklich und froh, diese Tour trotz der zuerst etwas schwierig erscheinenden Organisation doch noch gemacht zu haben, denn es hatte sich mehr als gelohnt!!!

 

Schliesslich fuhren wir die drei Stunden zurück nach Ambalavao, wobei Schlafen aufgrund der rumpligen Piste jedoch eher schwierig war. In Ambalavao angekommen assen wir mit Marcel ein Mittagessen à la Malagasy und verabschiedeten und schliesslich von ihm, um am Nachmittag noch weiter nördlich, bis nach Ambositra, zu fahren, wo wir gerade noch vor dem Eindunkeln eintrafen.







 

16. Januar:  Ambositra-Tana

Für einmal leisteten es wir uns, etwas länger zu schlafen. Marcos Magen ging es wieder etwas besser, dafür fing meiner an zu rumoren, aber keine Details… Trotzdem schauten wir uns am Morgen zu Fuss und per Pousse-Pousse noch kurz das hübsche Städtchen Ambositra an, bevor wir mit einem kurzen Zwischenhalt in Antsirabe direkt zurück nach Tana fuhren. Zwischen Antsirabe und Tana kauften wir noch Gemüse und Früchte ein… Jede Strecke hat seine „Verkaufsbesonderheiten“, wie in diesem Fall zwischen Antsirabe und Tana die günstigen und feinen Früchte und das Gemüse. An anderen Streckenabschnitten sind es Raffiaprodukte, Holzschalen, aus Altmetall hergestellte Miniaturfahrzeuge, etc. Wie überall in Madagaskar wird innerhalb von wenigen Kilometern (oder auf einem Markt sogar Metern) an etlichen Ständen exakt das Gleiche verkauft, aber wehe man packt die Gelegenheit nicht beim Schopf: Nachher findet man das entsprechende Produkt eventuell nirgends mehr sonst oder nur zu überteuerten Preisen in Tana.

Am Abend kamen wir in Tana an und richteten uns für eine Nacht im OM-Hauptquartier ein, wo wir ja noch alle unsere Sachen haben. Hanitra und Miora empfingen uns wie immer herzlich und wollten am Abend unbedingt unsere „Brandy Dog“-Serie fortsetzen. Sie sind ganz angefressen von diesem Spiel und so bleibt uns wohl nichts anderes übrige als es dann hier zu lassen…;-)


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  • Mar 31 2016 6:32 PMjohn: http://sv4bzdtybDgbK2iOs.com\\r\\n
  • Mar 19 2016 2:49 AMHyman: Whereabouts are you from?
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  • Mar 19 2016 2:49 AMAlphonso: We\\\'ve got a joint account
  • Mar 19 2016 2:49 AMGalen: How much will it cost to send this letter to ?
  • Mar 19 2016 2:49 AMLuther: Do you like it here?
  • Mar 19 2016 2:49 AMFidel: Languages
  • Mar 19 2016 2:49 AMIsaiah: Where do you live?
  • Mar 18 2016 4:23 PMDenis: I sing in a choir
  • Mar 18 2016 4:23 PMKelly: Do you like it here?
  • Mar 18 2016 4:23 PMBrooke: A staff restaurant
  • Mar 18 2016 4:23 PMJamison: Not in at the moment
  • Mar 18 2016 4:23 PMBenjamin: We\\\'re at university together
  • Mar 18 2016 4:23 PMCortez: No, I\\\'m not particularly sporty
  • Mar 18 2016 4:23 PMPeter: A law firm
  • Mar 18 2016 4:23 PMJamaal: I don\\\'t know what I want to do after university
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