Honduras 

veröffentlicht am 3. April 2013

Die Osterwoche vom 22. bis zum 31. März (inklusive Reisen) verbrachten wir mit einer Gruppe von OM Panamá in Honduras, wo dieses Jahr die Osterkonferenz von OM Zentralamerika (AMA HONDURAS) stattfand. Dass uns eine ziemlich intensive und spontane Woche erwarten würde, war uns eigentlich im Vorhinein klar… und wie so oft waren die Infos, die wir vorab erhielten ziemlich spärlich. Zusätzlich gab es kurzfristig noch einige Missverständnisse zu klären… Nichtsdestotrotz fuhren wir schliesslich guten Mutes und mit Vorfreude Richtung Honduras. Besser gesagt ging es zuerst von Volcán mit dem OM-Bus an die costa-ricanische Grenze, die nur eine Stunde entfernt liegt. Nachdem dort die ganze Gruppe (wir waren insgesamt ca. 20 Personen) die Passkontrolle und die lächerliche Drogen-Gepäckrevision überstanden hatte, wechselten wir in einen anderen Bus und fuhren entlang der Pazifik-Küste Costa Ricas in Richtung dessen Hauptstadt San José, wo wir nach ca. 7 Stunden ankamen. Die Nacht verbrachten wir in einer Unterkunft von OM Costa Rica und am nächsten Morgen ging‘s mit dem Flugzeug in nur einer Stunde nach Tegucicalpa, der Hauptstadt Honduras. Natürlich war es die ganze Zeit überall ziemlich heiss, v.a. in Tegucicalpa, wo wir eingepfercht in einem Bus (es handelte sich um einen der in Mittelamerika oft gesehenen ausgedienten, ehemaligen Ami-Schulbusse) auf andere Ankömmlinge warten mussten, bis wir zum ca. 1 Stunde entfernten Ort Valle de Angeles fuhren. In diesem Ort (etwas weiter oben gelegen und somit etwas kühler, was in etwa unseren Hochsommertemperaturen entsprach) befindet sich ein grosses Seminargelände, wo wir die ersten zwei Nächte verbringen würden. Nachdem wir unsere „Überraschungssuppe“ (interessant, wie viele verschiedene Dinge man in eine Suppe integrieren kann) gegessen hatten, trafen nach und nach auch die Teilnehmer der anderen Länder – El Salvador, Costa Rica, Honduras, Guatemala – ein, so dass wir schlussendlich um die 150 Personen waren. Die ersten zwei Tage galten der Vorbereitung auf den darauffolgenden Einsatz von vier Tagen in einer anderen Provinz Honduras‘. Die Seminare, Aktivitäten und die Gespräche mit den Leuten aus den anderen Ländern waren sehr spannend; das Essen leider ebenso… Bereits morgens um 7 Uhr Frijoles (die berühmten roten Bohnen), gebratenes Poulet, Reis (das geht ja noch) und kalte Maismehl-Tortillas (nicht zu verwechseln mit den feinen Weizenmehl-Tortillas) zu essen ist nicht jedermanns (vor allem nicht unsere) Sache. Noch übler wurde die Sache dadurch (v.a. beim Mittag- und Nachtessen), dass sowohl der Kartoffelsalat, das Reis, die Fleischsauce und der Blattsalat mit Koriander versehen waren… Ohje, wir können diesen Stinkkäfer-Geschmack (von dem schon die Madagassen Fan waren) nicht mehr ausstehen! Mit den Avocados und den gekochten Eiern konnte man sich dann noch knapp über Wasser halten (wobei man natürlich nicht die gesamte Portion des restlichen Zeugs stehen lassen konnte…).

Am Montagmorgen wurden die Gruppen für den bevorstehenden Einsatz mit den lokalen Kirchen in der Provinz Olancho eingeteilt. Wir landeten in einer Gruppe mit zwei Costa-Ricanerinnen, einer Salvadorianerin, einem Honduraner und einer Taiwanesin; eine interessante Zusammensetzung. In denselben knallgelben Ami-Schulbussen wie zwei Tage zuvor ging’s in sechs Stunden in die Stadt Juticalpa, wo die Mehrheit der 18 Gruppen ausstieg, während die restlichen Gruppen weiter nach Catacamas fuhren. Jede Gruppe wurde nun vom Pastor einer anderen Kirche in Empfang genommen und so fuhren wir sogleich hinten auf dem Pick-up (noch nichtsahnend, dass wir nach vier Tagen Pick-up-Fahren ein schmerzendes Hinterteil haben werden) in unsere Unterkunft. Marco und ich erhielten unser eigenes Zimmer zugeteilt, das ziemlich schnell beschrieben ist, da es nämlich absolut nichts darin hatte. Halb so schlimm, denn wir hatten unsere Mätteli und Schlafsäcke mitgenommen und die Unterkunft war gratis. Die Dusche und das WC hatten das gleiche Design wie in Madagaskar und so konnten wir viermal morgens um 6 Uhr eine kalte Kübeldusche geniessen.

Die nächsten Tage waren sehr intensiv und herausfordernd, aber auch sehr spannend und schön. Zusammen mit der Kirche, der unsere Gruppe zugeteilt wurde, organisierten wir verschiedene Aktivitäten wie z.B. Kinderprogramme, Gottesdienste, Strasseneinsätze, Seminare etc. Während ca. 24 Stunden gab es keinen Strom, so dass wir etwas mehr improvisieren mussten, v.a. am Abend. So veranstalteten wir am zweiten Abend einen Openair-Gottesdienst mit einem Lagerfeuer, was eine schöne Stimmung gab. Mit dem Wetter trafen wir es hingegen nicht schlecht. Wir wurden vorgewarnt, dass es furchtbar heiss werden würde, doch am ersten Abend wurden wir zuerst mal ziemlich verschifft. An den folgenden Tagen war es tatsächlich ziemlich heiss, wenn es wolkenlos war und man sich nicht im Schatten befand, doch da es oft leicht bewölkt war, war es gut auszuhalten. Ausserdem musste ich während der ganzen Woche einen Rock tragen (den ich mir ausgeliehen hatte), da dies in Kirchen in Zentralamerika (und auch in vielen anderen Ländern; ebenfalls in Madagaskar) für Frauen oft Norm ist und es deshalb angemessen ist, sich anzupassen anstatt unnötig Barrieren schaffen.

Trotz des vollen Programms hatten wir viel Spass und wurden von den Honduranern so richtig verwöhnt. Die Gastfreundlichkeit und der volle Einsatz der Leute, die für uns zuständig waren, waren (trotz der einfachen Lebensumstände) unglaublich und so hatten wir viele gute Gespräche und bekamen auch einen Einblick in die honduranische Kultur. Von anderen Gruppen hörten wir, dass sie dreimal am Tag Frijoles (rote Bohnen) mit Tortillas assen, wir hatten es dagegen richtig luxuriös. Natürlich assen auch wir honduranisch und ebenfalls dreimal am Tag warm, doch wir hatten immer viele Dinge zur Auswahl: Tortillas, Avocados, Frijoles, Eier, Reis, gebratenes Fleisch, Fischsuppe etc. Ein kulinarisches Highlight waren die von der Familie des Pastors zubereiteten typischen „Baleadas“ (gefüllte Weizenmehltortillas). Trotz unser Verschiedenartigkeit hatten wir auch eine gute Gruppendynamik und immer viel zu lachen, nicht zuletzt wegen der Aussprache des spanischen /r/ das man offiziell ja schön mit der Zunge rollen sollte, das die Taiwanesin aber als /l/ aussprach (wie in den Chinesenwitzen, die man bei uns kennt), während es Marco aus der Gurgel gurrt und die Costa-Ricanerinnen als /wr/ aussprechen, so dass man meint, sie hätten unter etwas zu viel Ami-Einfluss gelitten.

Am letzten Abend fand eine „internationale Nacht“ mit den Gruppen aus allen Kirchen statt, wo wir die Schweiz repräsentieren durften. Am nächsten Tag hiess es dann schon wieder Abschied nehmen von unseren neuen honduranischen Freunden; etwas, woran man sich wohl gewöhnen muss, wenn man viel unterwegs ist. Die Zeit in Juticalpa wird uns aber speziell in Erinnerung bleiben, da wir noch selten eine solche Offenheit, Gastfreundlichkeit und Wertschätzung von (bis dahin) fremden Leuten erfahren haben. Bevor wir aber nach Panama zurückreisten, ging’s nochmals für eine Nacht zurück nach Valle de Angeles bei Tegucicalpa, wo der Einsatz und die Konferenz mit einem erneuten internationalen Abend abgeschlossen wurde.

Am Samstag stiegen wir in Tegucicalpa zusammen mit den Costa-Ricanern ins Flugzeug und erreichten eine Stunde später San José, wo wir Panamaer die Zeit bis zur Abfahrt unseres Buses mit einem Ausflug in ein Shopping-Center überbrückten (wo wir merkten, dass Costa Rica nicht umsonst „die Schweiz Zentralamerikas“ genannt wird, da unsere  bzw. wohl mehr meine Shopping-Vorfreude ab den horrenden Preisen ziemlich abrupt gebremst wurde). Nach Mitternacht fuhren wir los Richtung Panama, passierten nach ca. 6 Stunden die Grenzkontrolle (mit einer noch lächerlicheren Drogenkontrolle als letztes Mal, denn es fiel gar nicht auf, dass die Hälfte unserer Gruppe direkt zum Bus auf der anderen Seite der Grenze spaziert war anstatt zur Kontrolle zu gehen) und kamen am Sonntagmorgen um 10 Uhr wieder in Volcán an.

 

Nach dieser Kurzzusammenfassung von Honduras nun zurück zu unserer Arbeit in Panamá. Gestern fuhren wir mit unserer OM-Gruppe nach David (wie bereits vor zwei Wochen), um die Gruppe von HIV-Infizierten und die Leute auf der Müllhalde zu besuchen. Diese „Aktivitäten“ werden wir in den nächsten Monat beibehalten und es kommen noch andere dazu. Marco wird sich zwar hauptsächlich dem Bau eines Holzhauses in Volcán widmet, das als Unterkunft für zukünftige Mitarbeiter dienen soll (da das Haus, in dem wir jetzt wohnen, nur dieses Jahr gemietet werden kann), am Dienstag wird er aber wie auch ich immer bei den Aktivitäten in David dabei sein. Es ist geplant, dass wir jeden Dienstag Programme für die Aids-Gruppe, das Jugendgefängnis und für die Leute auf der Müllhalde durchführen. Am Mittwoch fahren wir ausserdem in eine Art Waisenheim (jedoch hauptsächlich mit schwererziehbaren Jugendlichen) an einem anderen Ort, wo wir auf Anfrage des Leiters mindestens einen halben Tag verbringen werden und wo ich wahrscheinlich jeweils dabei sein werde. In meiner restlichen Zeit helfe ich Marco beim Bau des Holzhauses und fahre mit den Spanischstunden als Vorbereitung für die DELE-Prüfung fort. Dazu kommen natürlich noch Sitzungen, Vorbereitungszeiten für die Programme und Aktivitäten mit der lokalen Kirche. Wir sind gespannt, wie sich das „Programm“ in den nächsten Wochen tatsächlich einpendeln wird, denn es wäre nicht verwunderlich, wenn sich noch einiges ändern würde…

 

 

 

  • May 06 2013 3:29 PMEsther: It's so nice! Keep it up. Hope you don't mind I copied some pictures. You are in our prayers.
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